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Haseninsel Okunoshima in Japan: Zwischen Flausch und Giftgas

Haseninsel Okunoshima in Japan: Zwischen Flausch und Giftgas

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Happy Easter! Mein Beitrag zum Osterhasen-Feeling ist ein lang überfälliger Reisetipp für DIE Haseninsel in Japan. Die Insel heißt eigentlich Okunoshima, liegt in der Seto Inlandsee und gehört zur Stadt Takehara in der Präfektur Hiroshima. Und eigentlich sind die Hasen auch Kaninchen, aber irgendwie hat sich bei uns in Deutschland der Name „Haseninsel“ durchgesetzt.  Falls ihr also nach dem Besuch im Atombombemmuseum in Hiroshima etwas braucht, was eure Stimmung wieder hebt (ich brauchte es zumindest), dann ist ein Tagesausflug auf „Usagijima“ (Haseninsel) genau das Richtige.

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Fütter mich!

Wie komme ich zur Haseninsel Okunoshima?

Von HIROSHIMA fahrt ihr mit mit dem Shinkansen nach MIHARA (JR) und fahrt von dort mit der JR Kure Linie nach TADANOUMI. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde. Falls ihr einen JR Railpass (Zum Beitrag >> Wann lohnt sich der JR Railpass) habt, ist diese Fahrt damit abgedeckt. Wenn nicht, kostet die Fahrt einzeln zwischen 1.500 bis 2.500 Yen (ca. 13 bis 22 Euro). Genaue Preise und Verbindungen könnt ihr über Hyperdia abrufen.

Das Fährenterminal in Tadanoumi ist nur einen kurzen Fußweg vom Bahnhof entfernt. Hier könnt ihr den Fährenfahrplan abrufen. Die Fahrt mit der Fähre dauert ca. 15 Minuten und die Fahrt kostet 310 Yen (ca. 2,70 Euro).

Rabbit Island Okunoshima

Am Bahnhof Tadanoumi auf dem Weg zum Fährenterminal.

Okunoshima Handybilder

Das Fährenterminal

Am Fährenterminal kann man auch bereits Futter für die Kaninchen kaufen, falls man sich nichts mitgebracht hat. Kleiner Tipp: Salat-Blätter fanden die Kaninchen weitaus besser als jedes Karottenstück, was ihnen hingehalten wurde.

Auf der Insel haben die Tiere keine natürlichen Feinde. So ist es auch verboten Hunde mit auf Okunoshima zu bringen. In den letzten Jahren hat sich die „Haseninsel“ zum Naherholungsziel gemausert und zieht viele Familien aus der Gegend an. In der Nähe des Fährenterminals auf der Haseninsel gibt es auch Grillzonen, einen Campingplatz und ein großes Informationscenter, dass über Flora und Fauna der Seto-Inlandsee aufklärt und zwar auf eine sehr spielerische Art und Weise.

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Nom Nom Nom!

Kaninchen-Liebe: füttern, füttern und ein bisschen streicheln

Je früher ihr auf der Insel ankommt, umso mehr Kaninchen wollen von euch Futter haben. Wenn sie satt sind, liegen sie faul in der Sonne, im Schatten, vor ihren Höhlen und wo es sonst gerade gemütlich ist. Die Kaninchen sind keine Streicheltiere und haben immer noch einiges an Respekt vor den Menschen. Aber wenn ihr etwas Futter habt, dann trauen sie sich erstaunlich nah an euch heran und manchmal hüpft das ein oder andere Häschen in euren Schoß. Einige haben auch kleinere Verletzungen – aber das wird sicher von Rangordnungskämpfen kommen.

Rabbit Island Okunoshima

Huch, wo kommst du denn plötzlich her?

Fahrräder leihen: Entdecke die Haseninsel mit dem Radl

Ihr wisst ja bereits, dass wir gerne radeln, und auf der gerade einmal 4,3 Kilometer großen Insel (Küstenlinie) kann man sich auch wieder einmal  Räder für eine kleine Gebühr ausleihen. Ich würde es auf jeden Fall empfehlen, weil so könnt ihr wirklich die gesamte Insel erkunden und auch die Ecken erreichen, an denen sich nicht so viele Touristen aufhalten. Rabbit Island Okunoshima Die Räder kann man am Hotel Kyukamura ausleihen: für 2 Stunden gibt’s normale Räder für 600 Yen oder Elektro-Räder für 800 Yen ( ca. 5-7,80 Euro). Am Hotel gibt es auch einen kleinen Shop für Mitbringsel und eine Art Mensa mit Mittagsangebot. Das Hotel findet ihr ziemlich schnell, weil es das größte Gebäude auf der Insel ist – ihr könnt es nicht übersehen.Rabbit Island Okunoshima

Haseninsel_Curry

‚Hasenköttel‘ als Mitbringsel gewünscht? Jetzt zugreifen! (Ist natürlich Schokolade). Unser Mittag war ein sehr mittelmäßiges, aufgewärmtes Curry – aber viele Alternativen gab es nicht. Mein Tipp: packt euch ein Bento ein.

Rabbit Island Okunoshima

Schaut! Der Micha!

Den höchsten Strommast Japans sehen

Dieser Strommast auf der Insel ist groß und mit 226 Metern angeblich der Größte in ganz Japan. Ich hab das jetzt nicht überprüft, aber falls ihr mal mit random Wissen punkten wollt, könnte dies vielleicht recht nützlich sein?  

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Der Strommast ist wirklich groß 😀 Und am besten kommt man mit dem Radl hin.

Giftgas-Museum: die dunkle Vergangenheit der Haseninsel

Im zweiten Weltkrieg wurden auf der Insel Okunoshima verschiedene Giftgase produziert und diese wurden im Krieg gegen China eingesetzt. Dafür wurden u.a. auch zahlreiche Jugendliche abgezogen, die auf der Insel in der Produktion arbeiten mussten. Die Herstellung der Giftgase war alles andere als sicher und so haben sich viele Arbeiter vergiftet, weil auch die Schutzkleidung mehr als unzureichend war.

Das Museum ist sehr klein und kostet nur 100 Yen Eintritt und nach meiner Erfahrung ist es sogar etwas kritischer als man es sonst in japanischen Museen über den zweiten Weltkrieg gewohnt ist. Meiner Meinung nach ein Pflichtbesuch, wenn man Okunoshima besichtigt.

Having seen materials made by concerned people, we hereby declare that war is meaningless and the production of poison gas is tragic. We make an appeal for everlasting peace. This museum was built with the cooperation and understanding of groups representing the affected people and related town, cities and Hiroshima Prefecture.

Auszug aus dem Flyer des Okunoshima Poison Gas Museum

Im Museum durfte man keine Fotos machen, deswegen gibt’s hier keine weiteren Eindrücke.

Für „Lost Places“-Fans: Erinnerungen aus dem 2. Weltkrieg

Die Giftgas-Produktion hat Spuren auf Okunoshima hinterlassen. So sieht man auf der gesamten Insel immer wieder große, graue Betonbauten. Die Gebäude sind leer und Betreten ist verboten – einige Mutige schleichen sich aber doch immer mal wieder rein und machen hier Fotos.

Rabbit Island Okunoshima

Seht ihr links den runden Teller? Die sind auf der ganzen Insel verteilt und enthalten Trinkwasser für die Kaninchen.

Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima Rabbit Island Okunoshima

Einfach nur die Natur und die Aussicht genießen

Bei der Tour rund um die kleine Insel gibt es viele Möglichkeiten einfach mal anzuhalten, abzusteigen und die Natur zu genießen. Kleine Buchten und Strände laden zum Verweilen ein und wenn ihr einen Weg nach oben seht, dann solltest ihr ihm folgen. Die Aussicht über die Seto-Inlandsee ist echt schön!

Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima

Einfach überall gibt’s Kaninchen zu entdecken.

Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima

Da hinten im Dunst könnt ihr eine der Brücke des Shimanami Kaido Radweges entdecken.

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Rabbit Island Okunoshima

Rabbit Island Okunoshima

Chiller-Kaninchen

Rabbit Island Okunoshima

Ja, wer schleicht sich denn da an? Eine Ratte knabbert sich am Kaninchenfutter satt.

Rabbit Island Okunoshima

Und wo kommen jetzt eigentlich die Kaninchen her?

Ja, dass weiß keiner heute mehr so genau. Es gibt verschiedene Geschichten, aber am populärsten  ist wohl, dass es sich um ehemalige „Versuchskaninchen“ aus der Giftgas-Produktion handelt, die zum Ende des zweiten Weltkrieges freigelassen worden sind. Eine andere Geschichte geht so, dass Schulkinder (manchmal sind es auch ausländische Touristen) ein paar Kaninchen ausgesetzt haben. Aber egal wie es am Ende wirklich war, ich denke dass sie alle auf der Insel ein ziemlichen gutes Leben haben.

Rabbit Island Okunoshima

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Haseninsel Okunoshima in Japan: Zwischen Flausch und GiftgasHaseninsel Okunoshima in Japan: Zwischen Flausch und Giftgas

Ich fand den Ausflug zur Haseninsel sehr angenehm – ein bisschen abschalten vom Großstadt-Stress, den man oft in Japan hat und einfach mal den Tag ein bisschen entschleunigt. Wart ihr auch schon einmal auf der Haseninsel? Wenn ja, wie hat’s euch gefallen?

 

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Tara 16. April 2017 - 13:44

Bunniiiiieees!
Mal wieder ein toller Reisebericht mit wunderschönen Bildern!
Wenn ich während meines Auslandsjahres mehr Geld gehabt und etwas näher Richtung Süden gewohnt hätte, wäre Okunoshima auch eins meiner ersten Ziele gewesen, haha 🙂
Habt ihr euch gegen das Zutrittsverbot und für eine Inspektion der Betonbauten auch von Innen entschieden? Ich finde solch alte Ruinen und generell Stätten der Vergangenheit ja immer super interessant. 🙂

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Kumo 16. April 2017 - 23:10

Ohja, Geld ist immer so eine Sache. Im Urlaub sitzt es ja immer etwas lockerer, aber ich kenn es noch von Michas Geschichten aus seiner Zeit in Kyoto. Da wurde immer so günstig wie möglich gereist, wenn gereist wurde. Zu dem Zutrittsverbot… jaein. Auf dem einem Bild stehe ich ja zwischen so Ruinen, da hab ich mich etwas reingetraut, aber auch nicht wirklich weit… In Gebäude und so sind wir nicht rein, weil ich das zu heikel finde. 😫

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Dommie 17. April 2017 - 13:24

Hmmmm… Jetzt fehlen nur noch Semmelknödel und Blaukraut <3
Wirklich schade, das Hase in Japan fast gar nicht angeboten wird.
Sie gehört zu den "kleinen Heimwehmomenten" ab und zu…

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nossy 18. April 2017 - 21:05

Die Haseninsel ist mir auf Anhieb sympathisch. Ein wenig wirkt es wie ein Streichelzoo mit Wildhässchen. 🙂

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Jenni KuneCoco 19. April 2017 - 7:53

Superspannend! Und irgendwie ein krasser Mix zwischen „Oh wie süß, Kaninchen!“ und heftiger Geschichte. Und bei diesem Lost Place hätte ich mich auch nicht reingetraut… :/

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Anika 21. April 2017 - 13:23

Schön, dass du drauf hinweist, dass es zwar Haseninsel heißt, aber eigentlich Kaninchen auf ihr leben.
Ich bin ja ein strikter Gegener davon Kaninchen Hasen zu nennen! Man sagt ja auch nicht zu Löwe Katze…

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