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Vulkanausbruch live – Der Sakurajima in Kagoshima

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Japan ist das Land der Naturgewalten. Erdbeben, Taifune, Brände, Überschwemmungen – es gibt kaum etwa was dort nicht regelmäßig auftritt. Als Teil des pazifischen Feuerrings ist die japanische Inselkette zudem auch reich an Vulkanen. Hier erzählen wir euch, wie sich so ein (leichter) Ausbruch am Beispiel des Sakurajima in Kagoshima anfühlt.

Als wir bequem mit dem Shinkansen am Bahnhof Kahoshima-Chūō ankamen, haben wir uns nichts gedacht. Es hat nur wenige Sekunden gedauert, bis es sich sehr seltsam auf der Haut anfühlte. Zuerst haben wir gedacht, Mücken umschwärmen uns und fressen uns auf. Es hat nur kurze Zeit gedauert, bis wir gemerkt haben: es ist Asche, die da auf der Haut kribbelt.

Kagoshima – Asche, überall Asche

Was uns zuerst extrem irritiert hat, ist eigentlich Alltag ganz im Süden der Hauptinsel Kyūshū. Der Wetterdienst von Japan besitzt eine eigene Website [1] für die Ascheregen-Vorhersage und über das gesamte Stadtgebiet verteilt gibt es knapp 6800 Sammelstellen [2], an denen Anwohner die Asche in Säcken abgeben können.

Die Asche selber rieselt einfach auf euch nieder und kribbelt etwas auf der Haut. Sie kann an schlimmen Tagen auch zu Atemnot führen, also überlegt euch zumindest eine Maske einzupacken wenn ihr nach Kagoshima fahrt. Ein Hut schützt ebenso.

  • Das am Boden ist kein Sand…
  • … sondern Asche.
  • Vor allem auf den Autos sammelt sie sich.

Sakurajima in Aktion

Aber zurück zum Kribbeln auf der Haut. Der Vulkan um den es hier in Kagoshima geht ist der Sakurajima 桜島 (wörtlich: Kirschblüteninsel) mit einer Höhe von bis zu 1170m. Bis 1914 war er eine wirkliche Insel, bei einem heftigen Ausbruch in diesem Jahr verband er sich jedoch mit der Ōsumi-Halbinsel und ist seitdem auf dem Landweg erreichbar. Der Ausbruch 1914 war zwar der stärkste in der Neuzeit, aber nicht der letzte: 2011, 2013, 2014, 2015, 2016 und 2019 gab es größere Eruptionen. Kleinere Aktivitäten? Im Zeitraum von1980 – 2000 brach der Sakurajima im Schnitt mehr als 26 mal im Monat aus [3]. Im Jahr 2011 insgesamt sogar 1355 mal [4].

  • Der Sakurajima vom Hafen Kagoshima aus gesehen.
  • Mit der Fähre geht es in wenigen Minuten rüber.
  • Asche geht über Kagoshima nieder.
  • Ankunft auf der Insel.

Dabei ist Kagoshima mit fast 600.000 Einwohnern keine kleine Stadt. Belebte Einkaufsstraßen, ein Riesenrad am Bahnhof und viele Ziele im Umland laden zum Erkunden ein. Eines der naheliegendsten Ziele ist natürlich die Fahrt zum Vulkan. Vom Hafen aus ist man in wenigen Minuten übergesetzt. Der Berg selbst ist aus offensichtlichen Gründen nicht erklimmbar, aber die Insel selbst bietet interessante Gesteinsformationen, einen Lavafeld-Rundweg (Nagisa Lava Trail) und viele Möglichkeiten, sich über die Geologie zu informieren.

Als wir da waren, rumorte es ganz erheblich. Oder auch nicht, denn warum wir das als unheimlich empfanden? Wir sahen Rauchwolken aufsteigen, aber im Gegensatz zu Erdbeben oder Taifunen ging dieser Vorgang völlig geräuschlos und ohne Erschütterungen von statten. Der Berg hat einfach nur beiläufig und ohne viel Tamtam Asche gespuckt. Zunächst war uns das nicht ganz Geheuer, aber die völlig gelassenen Anwohner haben uns versichert, dass alles normal und alltäglich sei.

  • Am Ufer entlang gibt es ein begehbares Lavafeld.
  • Die Landschaft ist unwirklich, aber spannend.
  • Ein wenig Mordor war es schon.
  • Anlegestelle mit Gesteinsformationen.

Katastrophentourismus am Sakurajima

Zwischendurch fühlten wir uns ein wenig wie Katastrophentouristen, die überall, aber eigentlich auf keinen Fall dort sein sollten. Wir gingen über den Rundweg spazieren und wurden an einem Rastplatz von einem älteren japanischen Herren auf gebrochenem Deutsch angesprochen. Er sang uns ein paar Opern von Wagner vor (kein Scherz) und nahm uns im Auto mit zurück zum Fähranleger. Praktisch, vielen Dank! Er erzählte uns aber auch einiges über die Gegend. Dass er hier wohne. Dass der Vulkan zu dem Zeitpunkt zwar recht aktiv war, aber das alles überhaupt nicht ungewöhnlich sei.

Das hat uns alles sehr beruhigt, also haben wir noch ein paar Fotos gemacht. Auch wenn sie aussehen als kämen sie direkt aus einem Katastrophenfilm: in Gefahr war niemand. Wir wissen aber, spätestens seit der Eruption des Ontake im Jahr 2014, bei dem mindestens 58 (!) Menschen ihr Leben ließen [5], wie gefährlich und unberechenbar diese Naturgewalten sein können. Genau aus diesem Grund auch noch einmal die eindringliche Warnung: einen Vulkan besteigen, selbst wenn er touristisch erschlossen ist, birgt immer ein Restrisiko. Und wenn die Behörden bestimmte Wege sperren, sei es wegen Steinschlaggefahr oder wegen giftiger Gase, dann haltet euch daran. Auf der Seite des japanischen Wetterinstituts findet ihr immer aktuelle Warnstufen aktiver Vulkane [6].

  • Gleich die Begrüßung war explosiv.
  • Weit weg von der Gefahr…
  • … kann man auch mal Fotos machen.
  • Ein bisschen wie Hölle sieht es schon aus.
  • Noch eine Eruption!
  • Zurück in Kagoshima legte er noch einmal zu.

Natürlich wussten wir, dass der Sakurajima quasi ständig ausbricht. Aber es live zu sehen, war einfach noch einmal etwas anderes. Auch von fern wirkt so ein Ausbruch einfach gewaltig, selbst wenn gar nichts passiert. Es gibt übrigens noch viele andere Vulkane in Japan. Der Fuji zum Beispiel, der zwar ruht, aber noch immer aktiv ist. Insgesamt gibt es 110 aktive Vulkane [7] im ganzen Land.

  • Der Fuji ist DER Vulkan.
  • Der Asama in Karuizawa brach 2019 zuletzt aus.

Quellen und Nachweise

[1] Website für Asche und Steinschlagvorhersage
[2] Sammelstellen für Asche
[3] Paper: Entwicklung der Aschemenge am Sakurajima von 1980-2000
[4] Anzahl der Ausbrüche
[5] 4 Jahre nach dem Ausbruch des Ontake (Japan Times)
[6] Warnstufen für Vulkane
[7] Aktive Vulkane in Japan


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