[Nagasaki] Die besten Sehenswürdigkeiten und Gerichte in Nagasaki

Es gibt Orte, deren Besuch ist zwar eingeplant, aber eine genaue Vorstellung hat man nicht. Oder man weiß nur Dinge, die alles andere absolut überschatten. So ging es mir, als wir unseren Besuch in Nagasaki planten. Was wusste ich von Nagasaki? Irgendwie nur, dass hier am 9. August 1945 eine Atombombe von den Amerikanern abgeworfen wurde und viele Menschen starben. Auch eine kurze Recherche im Netz zeigte mir nur ein Thema, mit dem Nagasaki im Ausland bekannt war: die Atombombe. Natürlich ist dies ein großer Aspekt der Geschichte Nagasakis, aber die Stadt hat noch so viel mehr so bieten und was genau, ist das Thema dieses Blog-Beitrags. Ich kann nämlich sagen: Ich habe mich in Nagasaki verliebt und ich will wieder kommen und noch mehr entdecken!

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Im Hafen von Nagasaki.

In Nagasaki gibt es einiges zu sehen und ich war von der Schönheit dieser Stadt ziemlich überrascht. Nagasaki liegt weit im Süden Japan, auf der drittgrößten Hauptinsel, namens Kyushu und in ihr leben 423.644 Einwohner (Stand: 2017) zwischen den Berghängen auf der einen und dem Meer, in einer windgeschützten Bucht, auf der anderen Seite.

Die meisten Sehenswürdigkeiten sind zu Fuß einfach zu erreichen. Ansonsten sind die Trambahnen Nagasakis das Fortbewegungsmittel der Wahl. Ausnahmsweise empfehle ich mal kein Fahrrad, denn Nagasaki ist ziemlich hügelig und wenn, dann braucht es schon ein E-Bike. Häufig sahen wir auch Mofas bei den Einwohnern.

Nagasaki Seaside Park

Seaside Park am Abend

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Im wunderschönen Seaside Park im Hafen von Nagasaki

Die Geschichte Nagasakis ist ziemlich mit Europa verbunden. Im 16. Jahrhundert landeten im Hafen die Portugiesen und brachten das Christentum, Gewehre, Bücher und einige leckere Rezepte nach Japan. Waren die ausländischen Einflüsse einige Jahrzehnte geduldet, wurde das Leben für die Ausländer und die zum Christentum konvertierten Japanern bald schwerer. Sie wurden verfolgt und einige sogar gekreuzigt. 

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Als Tokugawa Ieyasu die Macht als Shogun übernahm (1603), wurde die Lage für die Christen nicht besser – das Christentum wurde verboten und fast alle Ausländer des Landes verwiesen, da man den meisten Missionierung vorwarf. Der Beginn von 200 Jahren Isolation Japans, die erst mit dem Eintreffen von Matthew Perrys schwarzen Schiffen in Shimoda beendet wurde.

Dejima in Nagasaki

Reise in Nagasakis Vergangenheit: Dejima

Die meisten Portugiesen mussten gehen, doch ein holländischer Handelsposten Japans durfte bleiben und auf eine aufgeschüttete Insel im Hafen von Nagasaki ziehen: Dejima. Quasi die einzige Öffnung zur westlichen Welt Japans für eine ziemlich lange Zeit. Allerdings waren die Holländer ziemlich isoliert, da kaum jemand zu ihnen kommen und sie nur sehr reglementiert ihre Insel verlassen durften. Dejima ist heute schon lange keine isolierte Insel mehr. Nagasaki ist gewachsen und nahm Dejima quasi im Stadtzentrum auf.

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Heute ist Dejima ein Freilichtmuseum, die damalige Lebensweise der Holländer festgehalten und genau dokumentiert.

Mittlerweile ist auch das Projekt „Dejima Main Gate“ fast abgeschlossen. Auf dem letzten Bild seht ihr eine Brücke über das Wasser reichen. Diese existierte seit 130 Jahren nicht mehr und man erreichte Dejima durch einen kleinen Seiteneingang. Im November 2017 wird die neue Brücke eröffnet! 

Infos zu Dejima: Website ° Eintritt: 510 Yen

Nagasaki Chinatown

Nicht nur die Portugiesen brachten ihre Einflüsse nach Nagasaki – auch mit China wurde Handel betrieben und so kamen einige Chinesen in die offene Hafenstadt.

Chinatown, Nagasaki

(c) Flickr.com – Creative Commons Licence. Photo by Pat Reynolds

Wenn man durch’s rote Eingangstor der Chinatown geht, findet man über 50 chinesische Restaurants und Souvenir-Shops in der Einkaufsstraße. Neben den Chinatowns in Kobe und Yokohama gehört das in Nagasaki zu den drei größten chinesischen Zentren Japans. Außerdem wurde hier eine der größten Nagasaki-Spezialitäten entwickelt: Champon!

Nagasaki Champon

Champon muss man unbedingt probieren, wenn man in Nagasaki ist

Erfunden wurde Champon im 19. Jahrhundert angeblich, als viele chinesische Studenten nach Nagasaki kamen und ein Koch es sich zur Aufgabe machte, dass die Studenten weniger Heimweh haben sollten. Eine würzige Brühe aus Huhn und Schweineknochen, viel Gemüse, Ramen-Nudeln uns Meeresfrüchte  – interessant, aber war irgendwie nicht meins.

Meganebashi: Die Brillen-Brücke

Die älteste, gebogene Stein-Brücke Japans, gebaut 1634, die mit der Spiegelung im Wasser wie eine Brille aussieht. Ich finde sie vor allem sehr niedlich und ich mag, dass man am Wasser spazieren kann – und hin und wieder sind kleine Stein-Herzen im Mauerwerk zu finden.

Das katholische Christentum in Nagasaki: Oura Kirche

Gebaut wurde die Oura Kirche 1864 von einem französischen Priester, und sie ist den 26 Märtyrern von Nishizaka gewidmet, die während der Christenverfolgung ermordet wurden. Es ist die älteste japanische Holzkirche im gotischen Stile und angeschlossen an die Kirche ist auch ein Museum, dass die Geschichte der Christen in Nagasaki noch einmal an zahlreichen Exponaten erzählt.

Oura Kirche Nagasaki

Am Eingang ist ein Schild, dass darauf hinweist, dass man z.B. Kopfbedeckungen abnehmen soll. Da musste ich ja schon schmunzeln, weil das für mich selbstverständlich ist, wenn ich eine Kirche besuche.

Ausgehend von Nagasaki finden sich viele christliche Spuren in Kyushu und wer Interesse hat, kann eine Pilgerreise zu allen Kirchen anstreben. Ich persönlich fand es sehr spannend zu sehen, welche Tricks sich die ersten Christen in Japan einfallen haben lassen, um im Geheimen Ihren Glauben ausüben zu können, als es von der Landesführung offiziell verboten wurde.

Infos zur Oura Kirche: Website ° Eintritt:  600 Yen ° Tram-Station: Oura Tenshudo-shita

Clover Garden

Ganz in der Nähe der Oura Kirche liegt der Eingang zum Clover Garden. Auf einem Berg, mit wunderbarer Aussicht über den Hafen von Nagasaki, stehen im Clover Garden die ehemaligen Wohn- und Arbeitshäuser von ausländischen Bürgern, die sich nach der Öffnung Japans hier niederlassen durften.

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Einer von ihnen war der Schotte Thomas Clover, der einer große Rolle bei der Industrialisierung Japans ab Mitte des 19. Jahrhunderts spielte. Er kam nach Japan, um einen britischen Handelsposten zu leiten, aber schon bald machte er sich selbstständig und hatte seine Finger im Spiel, als es um die Firmengründung von Mitsubishi oder der Brauerei Kirin ging.  Ich finde, die Gebäude verbreiten einen Charme der Kolonial-Zeit den USA und es sind zahlreiche europäische Baustile hier zu finden, die auf kuriose Weise mit japanischem Handwerk verbunden wurden.

Der Besuch von Clover Garden wird einem auch sehr einfach gemacht: Niemand muss Treppen steigen – nehmt einfach die Rolltreppe nach oben. Ein Trend, den ich schon öfters in Japan beobachten konnte, ist ein Kostümverleih, den es natürlich auch im Clover Garden gibt. Bunte Kostüme, die an die Kleidung der westlichen Händler erinnern sollen, können ausgeliehen und während des Besuchs getragen werden.

Infos zum Clover Garden: Website ° Eintritt: 610 Yen

Nagasaki Museum of Traditional Performing Arts

Am Ausgang vom Clover Garden sind wir in ein kleines Museum gestolpert, durch das man kostenlos gehen kann.  Bei den traditionellen Festen in Nagasaki werden oft Boote durch die Straßen getragen und diese kann man sich hier ansehen.

Aussicht von Berg Inasa

Wenn es Abend wird, ist der Berg Inasa der Ort der Wahl. Auf 333 Metern hat man nämlich eine wunderschöne Aussicht auf die Bucht von Nagasaki. Bei Dunkelheit einfach unbeschreiblich schön! Und bei der 360°-Aussicht auf der Plattform sieht man z.B. den Vulkan Unzen, Amakusa oder sogar die Ausläufer der Goto Inseln. Die Japaner nennen es „10 Million Dollar Night View“, etwas dick aufgetragen wenn ihr mich fragt, aber dennoch sollte man es sich nicht entgehen lassen.

Nagasaki Inasa Aussicht

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Die Aussicht über Nagasaki gehört zu den „Drei schönsten Nacht-Ansichten Japans“ , die anderen beiden finden übrigens in Hakodate und bei Kobe (Rokko-san).

Auf dem Gipfel befindet sich eine kostenlose Aussichtsplattform mit Restaurants und auch viele Sendemasten und in die andere Richtung gibt es noch den „Inasayama Park“, mit Spielplätzen, wunderschönen Blumen-Beeten (z.B. die Azaleen-Blüte ist hier sehr berühmt) und sogar ein Gehege mit Rehen.

Nagasaki Aussicht Ropewas

Mit der Seilbahn auf den Berg Inasa – die Fahrt dauert nur 5 Minuten!

Anreise per Seilbahn:

Ab der Tram-Station Takaramachi kann man die Nagasaki Ropeway zum Gipfel von Inasa nehmen. Die Hin- und Rückfahrt kostet zusammen 1.230 Yen und die Abfahrten sind alle 15 bis 20 Minuten. Die Wartezeit kann man überbrücken, in dem man sich den Fuchi Schrein ansieht, der sich direkt an der Seilbahn-Station befindet.

Es fahren auch Busse oder Taxis hoch, aber ich persönlich empfehle die Seilbahn.

Normalerweise sind Restaurants in solchen Ausflugszielen immer mega teuer, aber im „Hikari no Restaurant“ waren die Preise absolut okay, es gab alle Nagasaki-Spezialitäten auf der Karte und wir haben an einer Fensterfront auf den Sonnenuntergang gewartet.

Ich hatte mich für das Gericht „Turkey Rice“ entschieden, weil es so absurd klang. Das Gericht besteht aus folgenden Komponenten: Gebratener Gemüsereis (Pilaw), Spaghetti mit Ketchup, darüber ein Schweineschnitzel (Tonkatsu), eine dunkle Sauce und daneben noch ein Salat. Ich kann euch sagen: hat erstaunlicherweise alles gut zusammengepasst!

Der Atombombenabwurf: 9. August 1945

Unweigerlich mit Nagasaki verbunden ist der Abwurf der Atombombe. Eigentlich sollte die Bombe an diesem Tag Kokura treffen, aber das schlechte Wetter machte den Abwurf hier unmöglich – also wurde Nagasaki als nächstes Ziel angesteuert, denn hier betrieb Mitsubishi Werften für die japanische Marine.

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Wie auch in Hiroshima, gibt es in Nagasaki ein Museum zum Atombomben-Abwurf und einen Friedenspark unterhalb des Epizentrum. Weil wir kurz zuvor auch Hiroshima besuchten, habe ich demnach einen direkten Vergleich beider Museen. Das Museum wurde 1996 eröffnet und es wurden sehr viele Informationen ins Englische übersetzt. Dies ist gerade für japanische Museen kein Standard – die Darstellung der Ereignisse ist relativ objektiv und es wird auch auf die Opfer anderer Nationen eingegangen.

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Viele Opfer kamen auch aus Korea, die in Nagasaki zur Zwangsarbeit, u.a. in den Mitsubishi Werften, gezwungen wurden. Sie hatten keine Chance, denn eines der Gefängnis lag nah am Epizentrum. Heute kann man im Friedenspark noch ein paar Mauerreste betrachten.

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Im Gegensatz zum Museum in Hiroshima fand ich das in Nagasaki nicht so emotional belastend. Es wurden weniger Einzelschicksale der Katastrophe herausgegriffen – gerade dieser Aspekt hat mich in Hiroshima zu Tränen gerührt. Die Message am Ende ist aber klar: eine Atombombe ist viel mehr als nur eine Waffe im Krieg. Durch sie werden nicht nur Soldaten getötet, sondern vor allem auch die Bürger, die auch weit nach dem Krieg unter den Einsatz leiden.

Infos zum Atombomben Museum Nagasaki: Website °  Eintritt: 200 Yen

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Nicht weit vom Museum ist der Friedenspark: eine Anlage zum Gedanken an die Opfer und hier finden sich zahlreiche Erinnungen und Mahnmale.

Anreise zum Friedenspark und Museum per Tram:

Ab dem JR Bahnhof Nagasaki mit der Tram-Linie 1 oder 3 zu den Stationen „Matsuyama Machi“ oder „Hamaguchi Machi“ aussteigen und den Rest zu Fuß gehen. Die Fahrt dauert ca. 10 Minuten.

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Tramstation in Nagasaki

 

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Eingangsbereich Casa Noda

Übernachten im Hostel Casa Noda in Nagasaki:

Nicht weit vom Bahnhof Nagasaki liegt das Hostel Casa Noda. Hier mieteten wir ein Hostel-Doppelzimmer mit eigenem Badezimmer (sogar mit Wanne). Direkt mit Blick auf den Hafen, tollen Gemeinschaftsräumen und netten Mitarbeitern. Im Preis inbegriffen war auch Toast und Marmelade für  Frühstück. Nichts großes, aber ganz nett als Start in den Tag. Schlafsäle gibt es, sogar (wenn gewünscht) nach Geschlechtern getrennt. Uns hat es hier richtig gut gefallen und wir werden hier wieder buchen, wenn wir noch einmal einen Besuch in Nagasaki planen. Es gibt nur einen Minuspunkt: die Privatzimmer sind ganz oben, ohne Fahrstuhl. (Ja, ich habe geflucht und gelitten- aber die Aussicht auf den Hafen war fein!)

Das Team vom Casa Noda hat mittlerweile auch ein weiteres Hostel in Nagasaki aufgemacht: Casablanca . Dies ist zentraler an der Innenstadt, sogar recht nahe bei China Town.

Und jetzt muss ich euch noch von Castella erzählen. Das ist ein Kuchen, der in Nagasaki auch durch den ausländischen Einfluss entstand. Es ist ein luftiger Kuchen aus sehr vielen Eiern und lecker Honig, den man mittlerweile auch in jedem japanischen Supermarkt bekommt. Aber in Nagasaki habe ich ihn zum ersten Mal gegessen und mittlerweile auch schon einige Male daheim gebacken. Früher oder später wird das Rezept auch hier im Blog landen und bis dahin könnt ihr euch diese mega süße Packung mit Castella angucken:

Ich wollte ursprünglich auch noch mögliche  Tagesausflüge rund um Nagasaki hier reinpacken und von den wunderbaren Ausflugszielen und wunderschönen Ecken erzählen, aber das hebe ich mir für ein anderes Mal auf.

Ich hoffe, dieser Beitrag war aber schon mal ein Anfang, um etwas mehr über Nagasaki im Süden Japans zu erfahren und vielleicht plant ihr sie bei eurer nächste Reiseplanung mit ein? Wir kommen beim nächsten Mal hoffentlich wieder hier vorbei.

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