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Joggen in Tokyo (und Chiba)

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Ultra-dicht bebaut, kaum Parks, nirgendwo Grünflächen, endloses Betonmeer. Die Vorstellungen von Tokyo gehen in viele Richtungen. Nur wenige davon sind allerdings besonders schmeichelhaft. Wir nehmen euch mit durch Tokyo per pedes. Wie läuft es mit dem Joggen in Tokyo? Und was kann man auf dem Weg entdecken?

Um es gleich vorweg zu nehmen: es läuft sich eher schlecht als recht. Aber auch gleich die gute Nachricht: Joggen in Tokyo hat zwar noch nicht den selben Stellenwert wie etwa bei uns in München, aber es sind durchaus viele Läufer unterwegs. Und je nachdem wo man sich befindet, hat man auch immer mindestens eine Strecke irgendwo in der Nähe. Bis auf ganz wenige Ausnahmen muss man dabei allerdings mit Ampeln und Straßenverkehr rechnen.

Natürlich kann man einfach drauf loslaufen. Quer durch die Stadt laufen, manchmal auch um zu den schöneren Strecken zu kommen, ist möglich und auch oft spannend und angenehm. Meiden sollte man aber auf jeden Fall die großen Bahnhöfe und Einkaufsmeilen, vor allem zu Stoßzeiten. Shinjuku, Ikebukuro und Akihabara machen alle wenig Spaß am Samstagvormittag oder während der Rush-Hour.

Wir haben einmal in Ichikawa (Chiba), direkt an der Grenze zu Tokyo und einmal mitten in Shinjuku gewohnt. Es gilt dabei die Faustregel: je näher man an den Flüssen und Vororten lebt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, auch einen ruhigen Ort zum Joggen zu finden. Zusammenhängende Grünflächen oder gar Wälder wird man aber im Stadtzentrum nicht finden.

Tokyos Topographie: Achtung, Hügel!

Je nachdem wo in Tokyo ihr euch aufhaltet, kann eure lockere Joggingrunde schnell zu einer ziemlich anstrengenden Sache werden. Tokyo besteht (grob eingeteilt) aus der flachen Shitamachi, im Süden und Osten, wo ihr gemütlich an den Flüssen oder durch flaches Hafengebiet laufen könnt, und dem hügeligen Gebiet der Yamanote im Norden und Westen. Einige Hänge haben nicht unerhebliche Steigungen und sind – vor allem bergab – mit Vorsicht zu genießen.

Infrastruktur: Brunnen und Toiletten

Eines der tollsten Sachen für Jogger in Japan ist die sanitäre Infrastruktur. Es gibt in jedem Stadtteil mehrere kleinere und größere Parks oder Spielplätze. Fast immer sind diese mit einem Toilettenhäuschen ausgestattet. Fast noch wichtiger aber im häufig bis zu 40° heißen und schwülen japanischen Sommer: es gibt auch überall Trinkbrunnen, aus denen ihr beim Joggen in Tokyo völlig unbedenklich trinken könnt. Unterschätzt die Schwüle und Hitze nicht, das kann euch schnell umhauen.

Isotonische oder zuckerhaltige Getränke sind zumindest allzeit verfügbar: ich hatte beim Joggen immer eine IC-Karte mit elektronischem Geld dabei. Mit diesen kann man (je nachdem wie vollgeschwitzt man ist) in einen Konbini gehen oder an einigen Getränkeautomaten einkaufen. Aber Achtung: beim Laufen durch Tokyo habe ich schmerzlich erfahren, wie wenige Automaten abseits der großen Bahnhöfe IC-Karten nehmen. Man muss diese schon explizit vorher suchen und sich nicht darauf verlassen. Oder ein, zwei 100-Yen-Stücke für den Notfall einstecken.

Eigens geplante Joggingwege gibt es in Tokyo nahezu nicht. In einigen Parks (z. B. in Komazawa) oder an einigen Kanälen (z. B. am Kandagawa) findet ihr manchmal Kilometer-Markierungen, auch im Toyama-Park gibt es eine “Laufstrecke”, aber diese sind unzusammenhängend und wenig hilfreich. Am ehesten kommt hier noch die Runde um den Kaiserpalast heran.

An den Flüssen und Kanälen entlang

Wo auch immer ihr in Tokyo seid: sich an Flüssen und Kanälen entlang zu hangeln ist beim Laufen immer eine gute Idee. Flüsse bilden eine natürliche Barriere und reduzieren die Anzahl der Kreuzungen und Ampeln die ihr nehmen müsst mitunter erheblich. Oft könnt ihr auch am Fluss unter Kreuzungen durchlaufen. Manchmal weht auch ein kühlender Wind, der aber gerade an den Ufern der großen Flüsse mit fehlendem Schatten einher geht.

Es gibt drei große Flüsse, die mit Wegen auf Deichen und in Überschwemmungsgebieten zum Laufen einladen. Meist finden sich an den Flussufern Baseball-Plätze oder andere Sportplätze. An den großen Flüssen kann man genüsslich, meist völlig ungestört durch Ampeln und Verkehr, laufen gehen.

  • Der Tamagawa im Westen bildet die Grenze zur Präfektur Kawasaki und ist deshalb am äußersten Rand der Stadt zu finden.
  • Der Edogawa im Osten hingegen bildet die Grenze zu Chiba und… ist am anderen äußersten Rand.
  • Der Arakawa durchfließt die nördlichen und östlichen Stadtbezirke und bietet ebenfalls sehr großzügige Möglichkeiten zum Laufen. Der abzweigende Sumida ist recht dicht bebaut, aber stellenweise trotzdem attraktiv.

Davon abgesehen gibt es kleinere Flüsse wie den Myōshōjigawa oder den Kandagawa, die meist nur noch als betonierte Kanäle erhalten sind. Ihre Ufer sind mitunter dicht bebaut, aber oft findet man den einen oder anderen ruhigen Laufabschnitt. Ampeln und Kreuzungen sind seltener, aber da man sich mitten in der Stadt befindet, durchaus vorhanden.

Charmant sind auch die sogenannten ankyo 暗渠 – ehemalige Flüsse die zubetoniert wurden und nun als unterirdische Kanäle verlaufen. Wer mit offenen Augen durch Tokyo läuft, wird diese alten Flussläufe überall sehen, ob nun mitten in Shibuya oder etwas weiter draußen. Tokyo war einmal die Stadt des Wassers und diese Geschichte lässt sich heute noch zurückverfolgen. Einige dieser Kanäle wurden jedenfalls als Wege und Parks hergerichtet, mein liebstes Beispiel hier ist der Kitazawagawa Greenway.

Jogging in Tokyo: Beispielstrecken vorgestellt

Im folgenden stelle ich euch alle Strecken vor, die ich regelmäßig selbst gelaufen bin. Alle Strecken sowie die vorgestellten interessanten Orte gibt es am Ende des Artikels als Karte!

1. Der Klassiker: Die Kaiserpalast-Runde (5km – 6,1km)

Die Runde um den Kaiserpalast ist DER Kurs in Tokyo und ich kann nur jedem empfehlen ihn mal zu Laufen. Die traditionelle Runde ist 5km lang und hat keinerlei Ampeln oder Kreuzungen, was sie zum Laufen prädestiniert. Ich selbe bin immer noch eine kleine Schlaufe vorbei am Budokan-Stadion und zurück an der Kanmangafuchi-Schlucht gelaufen, weil es hier meistens sehr ruhig und angenehm ist.

Gefahrenstellen oder Engpässe gibt es nahezu keine. Achtet auf jeden Fall auf die Regel, nur gegen den Uhrzeigersinn zu Laufen. Ihr werdet sonst nicht nur böse angeschaut, sondern vermeidet auch unnötige Kollisionen. Wenn ihr den kurzen Rundkurs nehmt wird die Strecke stellenweise sehr eng. Im vergangenen Jahr wurde ein großer Teil der Strecke neu gemacht und deutlich verbreitet, was die Laufstrecke noch einmal angenehmer macht.

⚠️ Die Strecke ist für Anfänger sehr geeignet, die meisten Läufer:innen sind rücksichtsvoll unterwegs und ihr könnt euch wegen der fehlenden Ampeln und Kreuzungen auch voll aufs Laufen konzentrieren. Zum Feierabend und am Wochenende kann es allerdings sehr voll werden.

Interessante Orte an dieser Strecke: Kaiserpalast, Chidorigafuchi, Nippon Budokan, Marunouchi Skyline, Parlamentsgebäude

Hier am Kaiserpalast hat sich am ehesten so etwas wie eine “Laufkultur” entwickelt. Mittlerweile gibt es sogar eine ganze Reihe von Dienstleistern, bei denen ihr euch gegen Gebühr umziehen und duschen [externer Link] könnt.

9 Regeln gibt es auf dieser Laufstrecke:

  1. Fußgänger haben Vorrang
  2. Der Weg soll nicht durch Gruppen blockiert werden
  3. An engen Stellen in einer Reihe hintereinander laufen
  4. Laufrichtung gegen den Uhrzeigersinn
  5. Gemütlichkeit statt Zeit jagen
  6. Keine Musik hören oder am Smartphone telefonieren
  7. Fahrräder langsam fahren
  8. Müll mit nach Hause bringen
  9. Immer rücksichtsvoll sein

Quelle: Chiyoda Kokyo Running

  • Die Jogging-Strecke am Kaiserpalast ist ausgeschildert.
  • Manchmal sieht man auch Tierleben
  • Die Skyline von Hibiya im Blick
  • Vorbei am Polizeipräsidium
  • Tolle Kulisse am Sakura-Tor
  • Vorbei am Geschäftsviertel Marunouchi
  • An der Kanmangafuchi-Schlucht blühen im Frühling die Kirschen.
  • Auf dem Weg gibt es immer wieder Möglichkeiten zum Pausieren.
  • Kanmangafuchi in voller Blüte

2. Herantasten: Hügelrunde über Mejirodai (4,3km)

Mejirodai – hier ist der Name Programm. Dai bedeutet Plateau und wenn ihr die vorgeschlagene Runde lauft, müsst ihr vom Kanda-Fluss aus das namensgebende Mejiro-Plateau erklimmen. Der Anstieg ist kurz, aber relativ steil. Der aus dem Film “Tenki no Ko – Weathring with you” bekannte Nozokizaka-Anstieg mit einem tollen Blick über die Hochhäuser von Shinjuku liegt auf dieser Route.

Die untere Hälfte der Runde am Kandagawa entlang ist relativ sicher, ihr lauft im Edogawa-Park oder auf wenig befahrenen Nebenstraßen. Vorsicht walten lassen solltet ihr an den Brücken über den Fluss, hier kreuzt ihr manchmal kleinere Straßen an schlecht einsehbaren Ecken. Am oberen Teil nutzt ihr den Fußweg an der Mejiro-dori entlang und passt in Einfahrten auf ausfahrende Autos auf. An der Frauenuniversität (Nihon Joshi Daigaku) könnt ihr an der Ampel warten oder über eine Überführung laufen, wenn es die Kraft zulässt. Vorsicht geboten ist bergab: Nozokizaka und andere Abfahrten haben ein hohes Gefälle, schont eure Knie und macht langsam!

⚠️ Bis auf die eine Steigung die ihr zwangsläufig erklimmen musst ist die Strecke insgesamt sehr ruhig und kurz genug für Anfänger. Wenn ihr auf die Steigung verzichten wollt, könnt ihr auch nur das Stück am Kanda-Fuss auf und ablaufen.

Interessante Orte an dieser Strecke: Kirschblüten am Kandagawa (Edogawa-Park), Higo Hosokawa Garten, Sekiguchi Bashoan, Chinzan-so Hotelgarten, St. Marien katholische Kirche von Kenzo Tange, Meji Ichome Spielplatz mit Aussicht auf Shinjuku

  • Im Edogawa-Park mit Kirsch-Frühblüher.
  • Auf dem Mejiro-Plateau gibt es viele Ginkgo-Bäume.
  • Vom Spielplatz aus hat man eine tolle Sicht auf Shinjuku.
  • Pflaumenblüte im Edogawa-Park.
  • Die Nozokizaka ist mit 22% Steigung recht brutal.
  • Herbst im Higo Hosokawa Garten. Eintritt ist frei, Joggen verboten.
  • Auch im Frühling ist der Higo Hosokawa Garten toll.
  • Die Marienkirche von Kenzo Tange.
  • In den Hotelgarten des Chinzan-zo kann man kostenlos rein.

3. Etwas mehr Gas geben: Ikebukuro-Runde (7km)

Mit 7 km ist die Ikebukuro-Runde die natürliche Fortführung der Mejirodai-Runde. Ihr könnt hier etwas länger laufen und umrundet quasi einmal Zōshigaya. Zōshigaya ist bekannt für seine ruhige Atmosphäre und gilt als Geheimtipp in Tokyo.

Los geht es, wie bei der Mejirodai-Runde, am Kanda-Fluss, wo ihr ungestört durch den Edogawa-Park lauft. (Beschreibung folgt entgegen des Uhrzeigersinns) Danach folgt ihr der Stadtautobahn – und zwar wortwörtlich in ihrem Schatten. Das kann vor allem im Sommer sehr angenehm sein. Ihr müsst hier einige Straßen kreuzen und kommt irgendwann am Gokoku-ji, einem der wenige bekannten aber lohnenswerten großen buddistischen Tempel in Tokyo, an. Dort müsst ihr so gut wie immer an einer ungünstigen Ampelschaltung warten, könnt dann aber ungestört am Tempelgelände entlanglaufen. Anschließend kreuz ihr wieder die Stadtautobahn (mit Ampel), umrundet den Friedhof Zōshigaya und lauft vorbei an der Stadtverwaltung von Toshima und streift den Minami-Ikebukuro Park. Von dort aus geht es zurück durch Nebenstraßen nach Mejirodai, wo ihr wieder den Abgang nach unten nehmt und den Kreis schließt.

⚠️ Auf dieser Strecke müsst ihr mit mehreren Wartephasen an Ampeln und Kreuzungen rechnen. Manche Fußwege, vor allem vor dem Gokoku-ji, können eng und voll werden. Dies ist aber nur ein kurzer Abschnitt. In den Nebenstraßen, am Kanda-Fluss und um den Gokoku-ji und überall in Zōshigaya läuft es sich sehr angenehm.

Interessante Orte an dieser Strecke: Kirschblüten am Kandagawa (Edogawa-Park), Kodansha Hauptsitz, Gokoku-ji, Ikebukuro Echomusee Town (Stadtverwaltung), Kishimojin Tempel mit großem Ginkgo-Baum

Vor allem den Gokoku-ji kann ich als Oase der Ruhe im belebten Toshima nur empfehlen. Es gibt dort sogar einen kleinen Mini-Fuji, den man erklimmen kann. Der Minami-Ikebukuro-Park ist für Fans von Stadtplanung von Interesse, denn mit seiner Wiesenfläche und dem Bewirtungskonzept ist er in Japan recht ungewöhnlich. Die angrenzende Ecomusee-Town (wo auch die Stadtverwaltung sitzt) müsst ihr besuchen, wenn ihr Freunde von vertikalen Gärten seid. Die kostenfrei zugängliche begrünte Terasse mit einem Bachlauf über mehrere Stockwerke gehört zum besten, was ich in dieser Form in Tokyo kennen. Der idyllische und sehr ruhig gelegene Myojin-Schrein lohnt sich zu jeder Jahreszeit, aber überzeugt vor allem im Herbst mit seinem alten Ginkgo-Baum.

  • Wie in fast allen Parks gibt es auch in Minami-Ikebukuro Wasser.
  • Die Stadtautobahn verläuft über euch.
  • Vorbei am Kodansha-Hauptquartier. Mit Schleim.
  • Ginkgo-Bäume am Myojin-Schrein.
  • Minami-Ikebukuro Park mit Ecomusee-Town im Hintergrund.
  • Der Gokoku-ji ist eine Oase der Ruhe. Joggen aber bitte nur außen herum!
  • Ein paar Ampeln habt ihr leider.
  • Unter der Autobahn verstecken sich Sportstätten.
  • Aber manchmal auch Idylle!

4. Beton und Kirschblüten: Kandagawa-Run (7,6km)

Der Lauf entlang des Kanda war eine der ersten Joggingstrecken die ich gefunden habe. Wir haben recht nah am Fluss gewohnt und irgendwann habe ich gemerkt, dass er einen großen Bogen macht und der selbe Fluss ist, den ich bei meiner Erkundung von Shinjiku schon einmal gesehen hatte. Damit lässt sich am Kanda eine tolle Strecke vom Zentralpark hinter der Präfekturverwaltung von Tokyo bis zum Edogawa-Park vor unserer Haustür spannen.

Los geht es wie oben im Edogawa-Park und relativ ruhig entlang des Flusses. Kurz vor Takadanobaba müsst ihr den Flusslauf etwas verlassen, sonst kommt ihr direkt durch das Bahnhofsgebiet dort und dort ist so gut wie immer eine Menge los. Bis auf eine kleine Engstelle unter den Schien hindurch kann man aber auf einem sehr breiten Gehweg ausweichen, was das Laufen angenehm macht. Hinter Takadanobaba folgt man wieder dem Flusslauf. (Achtung: der Myoshoji-gawa fließt hier in den Kanda, also folgt nicht dem falschen Fluss) Im Großen und Ganzen geht es über ruhige Hinterstraßen, hin und wieder muss aber eine Hauptstraße überquert und an einer Ampel gewartet werden. Am “Mizu to Midori no Sanpo”-Park biegt ihr links ab an einem Hochhausneubau vorbei. Ihr folgt der Hauptstraße und steht dann bereits kurz vor dem Ziel: dem Zentralpark in Shinjuku, mit den ikonischen Doppeltürmen der Präfekturverwaltung.

⚠️ Die Strecke führt hauptsächlich am Fluss entlang und über Hinterstraßen, aber an einigen Kreuzungen und Ampeln müsst ihr warten. Auf Höhe von Takadanobaba kann es zudem stellenweise eng werden.

Interessante Orte an dieser Strecke: Kirschblüten am Kandagawa (Edogawa-Park), Higo Hosokawa Garten, Sekiguchi Bashoan, Chinzan-so Hotelgarten, Präfekturverwaltung von Tokyo

Die Strecke startet an den selben Orten wie die Meijirodai-Runde und verläuft deshalb auch zunächst an den selben Sehenswürdigkeiten vorbei. Auf dem Weg nach Shinjuku gibt es nicht viel zu sehen, aber der Endpunkt, die Präfekturverwaltung, ist genau wie der Zentralpark spannend.

  • Auf dem Weg nach Takadanobaba.
  • Vorbei an diesem Haus voller politischer Botschaften.
  • Meistens ist die Strecke eher ruhig und unspektakulär.
  • Auf die Skyline zulaufen ist imposant.
  • Im Hintergrund sieht man schon das Ziel.
  • Durch Nebenstraßen, das Ziel im Blick.
  • Die meisten Streckenabschnitte sehen so aus.
  • Der Eingang zum Zentralpark. Gleich geschafft!
  • Die Präfekturverwaltung von Tokyo ist das Ziel.

5. Die längste: Myoshojigawa-Run (12 km)

Die Strecke am Myoshoji-Fluss habe ich erst sehr spät entdeckt, weil er sehr unauffällig vom Kanda abzweigt. Mit 12 km fast ungestörtem Lauferlebnis quer durch Tokyo eignet er sich damit auch für das Halbmarathon-Training.

Los geht es unterhalb der Gakushuin-Universität, wo man über Hinterstraßen am Fuße des Mejiro-Plateaus entlangläuft. Vorbei an hübschen Schreinen und Tempeln geht es weiter bis zu der Stelle, wo der Myoshoji-Fluss in den Kanda fließt. Von dort aus folgt man fast durchgehend dem Flusslauf. Die erste Etappe führt durch Nakai, ein Viertel, das sehr gemütlich wirkt und in dem das Färberhandwerk heute noch hochgehalten wird. Ein kurzer Umweg kurz vor dem Bahnhof Nakai ist nötig, weil man hier nicht direkt am Fluss laufen kann.

Vorbei an einigen Parks kommt man in den Myoshojigawa-Park, der mit Skulpturen und Plaumenbäumen gesäumt ist. Vorsicht: dieser Wegabschnitt hat Öffnungszeiten (7:00 – 19:00 Uhr, im Winter bis 17:00 Uhr)! Wenn der Fluss die Seibu-Shinjuku Bahnlinie kreuzt, lauft ihr einfach links oder rechts einen kleinen Umweg und zum Fluss zurück. Irgendwann kommt ihr, nachdem ihr um eine Schule gelaufen seid, an die große Ringstraße Nr. 7 (Kan-nana) die ihr nicht überqueren könnt. Lauft etwas nach Norden zu einer Überführung und auf der anderen Seite in einem kleinen Bogen zurück zum Fuss. Den Rest der Strecke haltet ihr euch am Fluss, macht hin und wieder kleine Bögen um Schulen und genießt die Ruhe.

⚠️ Der Großteil der Strecke verläuft durch sehr ruhige Hinterstraßen entlang am Fluss. Einige Ampeln müsst ihr nehmen, aber größere Gefahrenquellen gibt es eigentlich nicht.

Interessante Orte an dieser Strecke: Hikawa Schrein, Nakai Viertel, Myoshoji-gawa Park

Der kleine Hikawa-Schrein lohnt sich nicht für einen eigenen Besuch, aber seine Blüten sind im Frühling eine Augenweide beim Laufen. Das Nakai-Viertel hingegen kann ich jedem Tokyo-Interessierten empfehlen. Es hat eine sehr ruhige Atmosphäre und wird durch keine großen Straßen gekreuzt – die führt über eine Brücke über das Viertel. Am Fluss entlang schlängeln sich Geschäfte und enge Wege und schon ein Spaziergang ist dort sehr angenehm. Einmal im Jahr gibt es zudem das Färber-Fest mit Ausstellungen und Verkäufern überall. Der Myoshoji-gawa Park lohnt sich ebenfalls: er ist weitläufig, abwechslungsreich und lockt vor allem im Frühling mit einem schönen Pflaumengarten.

  • Meist geht es am Fluss entlang auf ruhigen Wegen.
  • Die Ampel ist hauptsächlich für die Schule da.
  • Der Hikawa-Schrein lädt zum Verschnaufen ein.
  • Weg mit Öffnungszeiten: Myoshoji-gawa Park.
  • Pflaumenblüten im Myoshojigawa-Park.
  • Auf der anderen Flusseite geht’s auch lang.
  • Das “Some no Komichi” Fest.
  • An den zwei Festtagen solltet ihr hier nicht joggen.
  • Ziel: der Myoshoji-Park.

6. Kitazawagawa-Greenway (3,8km)

In der Einleitung wurden sie bereits kurz erwähnt: die ankyo 暗渠. Tokyo ist voll von ihnen. Es handelt sich um Flüsse, die aus verschiedensten Gründen in den Untergrund verlegt und zubetoniert wurden. Überall finden sich heute im Stadtbild noch Verweise darauf: Kreuzungen die nach Brücken benannt sind, seltsam mäandernde Wege mitten durch die Stadt und Brückengeländer die vermeintlich im Nichts herumstehen. Sie alle sind Zeugnisse vergangener Zeiten. Am Kitazawagawa-Greenway hat man den ursprünglichen Fluss in den Untergrund verlegt und streckenweise einen neuen, künstlichen Bach darüber geschaffen.

Die Strecke selber ist sehr einfach zu finden: ihr lauft einfach von Meguro Sky Garden aus den alten Flussverlauf entlang. Schon nach kurzer Zeit kommt ihr an eine Abzweigung, an der ihr euch rechts haltet, denn sonst folgt ihr dem falschen Kanal. Achtet unterwegs auf die Straßenübergänge und einige Ampeln und könnt ansonsten halbwegs ungestört fast 4km Gas geben. Der Endpunkt für mich war der Gotoku-ji Tempel, den man auch als Katzentempel kennt, aber die Greenway selber geht noch fast bis Kami-Kitazawa weiter.

⚠️ Dadurch das es ein ehemalige Fluss ist, kann man die gesamte Strecke in Ruhe laufen. Es gilt aber öfters an Ampeln zu warten oder Straßen zu kreuzen.

Interessante Orte an dieser Strecke: Meguro Sky Garden, Hanegi Park, Gotoku-ji

Der Meguro Sky Garden ist im Grunde eine begrünte Autobahnauffahrt. Von außen ist das gesamte Gebiet unglaublich hässlich, aber wenn man oben steht, findet man sich in einer grünen Oase wieder die städtebaulich extrem spannend ist. Der Hanegi Park in Setagaya ist vor allem im Januar und Februar interessant, denn dort gibt es einen großen Pflaumengarten der auf euren Besuch wartet. Der Park selbst kann auch in die Joggingstrecke mit einbezogen werden, er ist allerdings – der Name Umegaoka verrät es – ein einziger großer Hügel. Ein ganz besonderer Tempel bildet etwas abseits den Endpunkt der Strecke: am Gotoku-ji warten tausende Winkekätzchen auf euch. Das Tempelgelände selbst ist mit einer fünfstöckigen Pagode abseits der Kirschblüte ebenfalls perfekt, um durchzuschnaufen.

  • Der Meguro Sky Garden
  • In Meguro geht es gemütlich los.
  • Zur Regenzeit blühen Hortensien.
  • Brücken zeugen vom alten Fluss.
  • Zur Kirschblüte wird es etwas enger.
  • Die komplette Länge ist ein Fußweg.
  • Im Hanegi Park warten die Pflaumen.
  • Die Pagode des Gotoku-ji.
  • Katzen im Tempel!

Exkurs: gemeinsam Laufen

Natürlich gibt es auch in Japan Laufgruppen. Ihr könnt euch zu Marathons und Stadtläufen anmelden und auch an Wettkämpfen teilnehmen. Aber: die Anmeldefristen für diese Events sind zumindest in Tokyo relativ weit vor dem Event. Einfach hingehen und anmelden ist in der Regel nicht möglich.

Eine einfache Möglichkeit sich einer Gruppe anzuschließen und begeisterte Mitläufer zu finden ist der Mikkeller Running Club. Mikkeller ist eine Biermarke und – so seltsam das klingt – man bekommt am Ende des Laufes ein Freibier. Es werden verschiedene Längen und Geschwindigkeiten angeboten, aber länger als eine Stunde braucht eigentlich keine Gruppe. Treffpunkt ist die Mikkeller Bar in Shibuya (neu auch in Kanda), ihr könnt euer Gepäck vor Ort lassen und los geht es!

Koordiniert und organisiert wird das Ganze hauptsächlich über Facebook: https://www.facebook.com/mikkellerrunningclubtokyo/

  • Sammeln vor der Bar.
  • Das Belohnungsbier.
  • Ab durch Shibuya!

Laufen in Chiba

Während unserer kurzen Zeit in Ichikawa in der Präfektur Chiba, direkt an der Grenze zu Tokyo, haben wir ebenfalls einige schöne Strecken entdeckt, vor allem an den großen Flüssen. Ich fasse sie hier zusammen, weil es nicht ganz so viel zu sehen gibt, aber alle Strecken sind zum Laufen perfekt geeignet.

7. Edogawa-Run (11,1km)

Der Edogawa-Run führt euch am gleichnamigen Fluss entlang. Ich bin oft die Strecke von der Flussmündung bis nach Shibamata gelaufen, aber die Strecke ist beliebig nach Norden hin erweiterbar. Es gibt keine Ampeln oder Querungen und ihr lauft direkt am Fluss entlang. Shibamata selbst ist übrigens auf jeden Fall einen Besuch wert: die Atmosphäre dort wirkt wie in der frühen Showa-Zeit und Nostalgie wird groß geschrieben. Es ist außerdem der Drehort der berühmten TV-Serie Tora-san.

8. Kyū-Edogawa-Run (8,2km)

Der Kyū-Edogawa bezeichnet den alten (kyū) Flussverlauf des Edogawa und bildet heute die Grenze zwischen Tokyo und der Präfektur Chiba. Auch hier gibt es keine Ampeln oder Gefahrenstellen. Im Süden schließt der Lauf an Disneyland an, wenn man dort ein paar Straßen und Ampeln kreuzt kann man die Strecke sehr gut an der Promenade um Disneyland herum verlängern.

9. Gyōtoku-Run (9km)

Gyōtoku war unsere Heimat für ein paar Monate und deswegen habe ich sie auch zu Fuß erkundet. Ihr startet in der Nähe des Bahnhofs Gyōtoku und schlagt euch durch bis zum Wildtier-Reservat / Kaiserlichen Entenschutzgebiet in Niihama. Dort lauft ihr durch den “Midori no Kuni”-Park am Teich entlang. Von dort folgt ihr den Kanälen zum Meer, wo ihr in Urayasu an einer langen Promenade mit Meerblick entlang lauft. Endpunkt ist der Aussichtshügel im Takasu Seaside Park.

  • Edogawa: Abfluss ins Meer
  • Oft lauft ihr über die Deiche
  • Unter Straßen lauft ihr hindurch.
  • Blick auf Shibamata
  • Einkaufsstraße in Shibamata
  • Tempel in Shibamata
  • Am Kyu-Edogawa sieht es hauptsächlich so aus.
  • Überblick: Jogger unterwegs!
  • Der Skytree ist allgegenwärtig.
  • Manchmal zeigt sich auch der Fuji!
  • Bei Bedarf geht es vorbei am Disneyland.
  • Wildtierreservat in Niihama
  • Promenade am Meer.
  • Endpunkt ist der Takasu Seaside Park.
  • Letzte Aussicht nach Chiba!

Karte der Joggingstrecken

In der folgenden Karte haben wir euch alle Strecken sowieso Sehenswürdigkeiten, Ampeln und besondere Gefahrenstellen markiert.

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