Fahrradtouren in Japan: Shimanami Kaido

Eine meiner schönsten Erinnerungen an Japan, ist unsere Radtour auf dem Shimanami Kaido. Auf 70 Kilometer führt dieser Fahrradweg von der Hauptinsel Honshu, über sechs kleine Inseln der Seto Inlandsee nach Shikoku und ist auch für nicht so geübte Radfahrer ein Erlebnis, gerade da man an vielen Orten die Tour beenden kann.

Wenn ihr das „echte“ Japan kennenlernen wollt, dann kann ich euch diese Tour nur ans Herz legen!

Wo ist der Shimanami Kaido?

Wir sind mit dem Zug (JR) von Hiroshima nach Onomichi gefahren und haben uns dort Räder ausgeliehen. Dann sind wir die gesamte Strecke an einem Tag gefahren und haben die Räder in Imabari abgegeben und sind mit dem Zug wieder zurück nach Hiroshima gefahren.  Der Shimanami Kaido führt über sechs Inseln. Natürlich kann man auch andersrum fahren, aber für uns war es so ideal.

Misdo_Onomichi_ShimanamiKaido

Frühstück bei Mister Donut am Bahnhof Onomichi und dann Räder ausleihen!

Fahrräder leihen

Eine komplette und aktuelle Übersicht der Radverleih-Angebote findet ihr hier.

Nicht weit vo JR-Bahnhof Onomichi gibt’s nicht nur eine Filiale von Mister Donut zum Frühstücken, sondern auch einen Fahrrad-Verleihservice. Wir empfehlen früh vor Ort zu sein, damit man gute Fahrräder bekommt. Mittlerweile kann man sogar online Räder reservieren, was ich beim nächsten Mal wahrscheinlich machen würde – damit ich nicht noch einmal auf einem 3-Gänge Mamachari so eine Tour fahren muss.

Die Kosten für das Fahrrad liegen bei 1.000 Yen am Tag und dazu noch 1.000 Yen Pfand. Da wir das Fahrrad aber nicht nach Onomichi zurückbrachten, sondern in Imabari abgegeben haben, gibt’s den Pfand nicht wieder zurück. Nicht einmal ganz 20 Euro für einen ganzen Tag? Absolut fairer Preis!

Es gibt dazu noch den Anbieter GIANT, bei dem man ebenfalls Räder in Onomichi oder Imabari ausleihen kann. Dieser richtet sich aber an Leute, die gewisse Ansprüche an ihre Fahrräder haben. Hier kosten die Räder je nach Ausstattung 4.000 bis 13.000 Yen (33 bis 107 Euro) pro Tag. Falls man die Räder nicht an der Ausleihstation abgeben will, kostet dies zusätzlich noch einmal 3.000 Yen, muss vorher online reserviert werden und geht nur mit Rennrädern. Und nicht zu vergessen: die Website ist nur japanisch.
Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido – gut ausgebauter Radweg

Keine Sorge, selbst ohne Japanisch-Kentnisse kann man dem Shimanami Kaido sehr gut folgen, da die Strecke mit einer blauen Linie am Straßenrand markiert ist. Auch finden sich in regelmäßigen Abständen kleine Hinweis-Motive auf der Straße, wie weit es noch nach Imabari ist. Und Straßenschilder ohne japanische Schriftzeichen gibt es natürlich auch!

Der Weg ist relativ flach, die wenigen Anstiege sind bei den Brücken zu überwinden und hier hat man als Radfahrer den Luxus, dass man getrennt von den Autos geführt wird und so die Steigungen und den Weg hinab nur mit anderen Radfahrern teilen muss. Sehr, sehr angenehm!

Maut an den Brücken

Um den Shimanami Kaido  mit dem Fahrrad zu fahren, muss man erst mit einer Fähre nach Mukaishima übersetzen. Dies kostet  110 Yen. Bei den folgenden Brücken wird jeweils Brücken-Maut von 50 Yen fällig. Wir hatten Glück, da bei unserer Tour ein Special-Mautfrei-Event war und konnten uns diesen kleinen Unkostenbeitrag sparen. Aktuell gibt es wohl auch eine Touristen-Promoaktion, weshalb bis zum 31. März 2018 die Maut-Kosten ausgesetzt werden.

Essen und Trinken

Macht nicht den selben Fehler wie wir und schleppt ein paar Kilo Getränke mit euch rum. Ihr seid immerhin in Japan – dem Land der 24-Stunden-Läden und der Getränkeautomaten, selbst an den verrücktesten Orten. Ihr fahrt durch einige kleine Städte und hier gibt es immer wieder Restaurants und Imbisse, die sich an Fahrrad-Touristen richten. Am Wegesrand stehen alle paar Meter Getränkeautomaten und immer wieder trefft ihr auch auf besagte Conbinis. Ihr werdet nicht verhungern oder verdursten. 😉

Los geht’s!

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Die Räder sind ausgeliehen und auf Mukaishima geht die Tour richtig los!

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Fast schon ein bisschen schade, dass wir keine Zeit hatten, sich Onomichi ansehen.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Mit anderen Radfahrern am Fährenterminal in Onomichi.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Nicht das beste Touren-Fahrrad, aber Japan liebt Mamacharis. Micha auch. Zudem sind sie solide und fast unkaputtbar.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Auf der Fähre nach Mukaishima.

In Mukaishima haben wir uns erst einmal richtig startklar gemacht. Sonnencreme raus und eincremen! Wir sind Mitte September gefahren, aber wir hatten an unserem Touren-Tag um die 30°C und kaum Wolken. Irgendwann unterwegs habe ich sogar einen billigen Sonnenhut gekauft, weil die Sonne so knallte.

Nach der Fährenfart ging’s dann auf der Straße weiter – Radfahrer in Japan gehören zuerst nämlich auf die Straße. Der Autoverkehr ist überschaubar und die Fahrer sind rücksichtsvoll genug, um nicht zu eng zu überholen oder zu drängeln.

Einfach den Schildern folgen und bald seid ihr an der ersten Brücke: Innoshima Bridge. Leider nicht die beste Aussicht, da die Radspur unterhalb der Autospur geführt wird. Auf der anderen Seite erreicht ihr die Insel Innoshima.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Innoshima Bridge

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Hass für „nur“ drei Gänge…

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Ikuchi Bridge

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Tolle Aussicht!

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Foto und Trink-Pause

Auf Ikuchijima besuchten wir den Kosanji Tempel, der ein bisschen verrückt war. Der Tempel wurde 1936 von einem reichen Angestellen zu Ehren seiner Mutter errichtet und es findet sich hier nicht nur kleinere Nachbauten berühmter japanischer Bauwerke (wie z.B. dem Yomeimon aus Nikko), sondern auch eine Höhle mit Darstellungen der Hölle und ein Hügel, komplett mit Marmor bebaut. Verrückt aber überraschend sehenswert, hier ein paar Eindrücke. Weitere Bilder gibt’s bei uns auf Flickr.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Danach haben wir uns gegenüber vom Tempel für eine Mittagspause niedergelassen. Es gab Udon-Suppe, die uns für den restlichen Weg stärkte. Satt und zufrieden ging es dann weiter.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Seht ihr diese „Straße“? Die ist nur für Räder! 😀

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Kastanien

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Schmetterling!

Shimanami Kaido (Japan 2014)

ShimanamiKaido

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Und jetzt: Willkommen auf Shikoku – Japans  viertgrößte Hauptinsel!

Direkt hinter der 4,1 km langen Brücke liegt das große Imabari-shi Cycling Terminal Sunrise Itoyama. Hier starten viele Radfahrer aus der Gegenrichtung und wer jetzt fix und fertig ist, kann sich auch ein Zimmer buchen und hier die Nacht verbringen. Da man hier Räder ausleihen und auch wieder abgeben kann, endet für viel die Fahrt auf dem Shimanami Kaido, da die 70 km Fahrtstrecke gelten auch nur bis hier gelten und hier können Räder geliehen oder abgegeben werden. Ab dem Cycling Terminal fährt auch ein Bus in ca. 25 Minuten zum Bahnhof Imabari.

Unser Plan sah aber anders aus: Rückgabe der Räder in der Stadt Imabari direkt. Da es aber schon recht spät war, hatte die Abgabe am Bahnhof bereits geschlossen und wir mussten die Räder am Rathaus Imabari abgeben und dann mit dem Zug zurück nach Hiroshima.

Aber vorher noch ein Siegerfoto mit dem lokalen Maskottchen, dass uns in den 24-Stunden-Läden unterwegs immer anlächelte und ans Herz wuchs.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Der orangene Bär heißt Mikan: In der Region Ehime werden viele Zitrusfrüchte angebaut, besonders Mandarinen, „mikan“. Ganz logisch, dass das lokale Maskottchen daran erinnert.

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Sunrise Itoyama

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Shimanami Kaido (Japan 2014)

Die letzte Brücke der Tour: die 4,1 km lange Kurushima Kaikyo Brücke.

Die Abgabe in Imabari war noch ein bisschen spannend, da wir irgendwie das Gefühl hatten, dass die Leute im Rathaus nichts mit zwei Ausländern anfangen konnten, die Fahrräder abgeben wollten. Hier wurde aber mittlerweile nachgebessert – wir haben letztes Jahr dort nach unserem Besuch im Imabari Towel Museum (Sorry , es klingt so viel weniger cool als es wirklich ist!) unsere Räder zurückgebracht: es war besser ausgeschildert und die Mitarbeiter vor Ort waren auf die Fahrrad-Abgabe eingestellt.

In Imabari am Bahnhof mussten wir dann ein bisschen Zeit totschlagen bis unser Zug kam. Der Bahnhof ist klein, ein Combini und ansonsten ein paar Bänke – und ein fetter, gelber Vogel in der Bahnhofshalle. An diesem Abend lernte ich Bary-san kennen. Ja, der gelbe, fette Vogel heißt Bary-san und ist das Maskottchen von Imabari. Auf seinem Kopf die Brücke, über die wir vorher geradelt sind, ein Schiffchen als Tasche (weil Imabaris Werft recht bekannt ist) und ein Handtuch um den dicken Bauch, weil die Handtücher aus Imabari in ganz Japan die besten sein sollen. (Hab ich schon das Handtuch Museum erwähnt?) Ich war sofort hin und weg und wusste: Ich komm wieder! Nur für den fetten, gelben Vogel.

Imabari_JR

Links: Yakisoba Pan und Tonkatsu Burger; Mitte: Bary-san Figur am JR Bahnhof Imabari; Rechts: Bary-san Mitbringsel.

Interessante Links zum Shimanami Kaido

Wenn es sich zeitlich anbietet, würde ich den Shimanami Kaido jederzeit wieder fahren wollen. Es war wirklich mit Abstand eines der schönsten Ausflüge, die ich in Japan gemacht habe – die Natur, die Aussicht, die Leute, die wir getroffen haben. Es war einfach perfekt und hat super viel Spaß gemacht, aber ich liebe auch Fahrrad-Touren.

Weitere Beiträge aus der Reihe „Fahrrad fahren in Japan“ findet ihr hier.

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