Mit Tattoo in den Onsen

Japan hat eine sehr ambivalente Beziehung zu Tattoos. Auf Grund ihrer Handwerkskunst und Schönheit haben sie es im Ausland zu einiger kultureller Aufmerksamkeit geschafft, im Japan selber sind sie als Erkennungszeichen des organisierten Verbrechens oder anderer Randgruppen verpönt. Eine Entwicklung die historisch wohl erst in der Edo-Zeit begonnen hat. Tattoos als Mode-Gimmick haben auch in Japan moderat an Beliebtheit gewonnen, insgesamt aber ist die Zahl der Tätowierten im internationalen Vergleich mit 2% der Gesamtbevölkerung extrem niedrig.[1] Die Diskussionen dazu sind auch um einiges schärfer als bei uns. Oft hört man, dass es den Leuten niemals in den Sinn käme, den von ihren Eltern erhaltenen Körper zu verletzen oder zu verschandeln. So oder so: die gesellschaftlichen Vorbehalte bleiben groß. Sei es bei der Jobsuche oder beim Bad in heißen Quellen: wer ein Tattoo hat, sieht sich mit allerlei Problemen konfrontiert. Es verwundert jedoch nicht, dass etwa 80% der Tätowierten in Japan ihr Tattoo nach einiger Zeit bereuen. Mit Blick auf die olympischen Spiele und den Anstieg ausländischer Touristen ist die Diskussion wieder in Bewegung gekommen.[2]

Onsen Tattoo Pinterest

Aber zurück zu den heißen Quellen.

Laut einer Erhebung der Tourismusbehörde von 2015 kann man Onsen und ihre Haltung zu Tattoos in 3 Kategorien einteilen:

tortengrafik_tattoo

Diese Zahlen sind auf den ersten Blick verwunderlich, denn die etwa 30% der Onsen wo man keine Probleme bekommt habe ich selber noch nicht gefunden. Aber wir haben auch noch nicht groß angelegt danach gesucht. Mit Bedingungen erlaubt heißt hier in den meisten Fällen übrigens das Abdecken der Tattoos mit einem Pflaster oder ähnlichem. Es heißt aber auch: die Wahrscheinlichkeit mit einem Tattoo auf Probleme zu treffen ist immer noch sehr wahrscheinlich. Es gilt deshalb: vorher informieren.

Eine weitere wichtige Aufteilung der Onsen-Betriebe ist die Frage der Eigentümerschaft. Das klingt zunächst erst einmal nebensächlich, aber es gibt in Japan Onsen als Privatbetriebe und Onsen die von städtischen Trägern unterhalten werden. In städtischen Onsen gilt eine allgemeine Richtlinie gegen Diskriminierung und diese führt über den Umweg religiöser Tattoos dazu, dass Tattoos jeglicher Art erlaubt sind. Zum ersten Mal habe ich von diesem Umstand über einen Leserbrief an den Bürgermeister von Matsuyama erfahren, der einer aufgebrachten Bürgerin erklärte, warum im berühmten Dōgo-Onsen Leute mit Tattoos herumlümmeln. Zugegeben, es gibt nicht viele der städtischen Onsen, aber einige haben wir getestet und können bestätigen, dass es keine Probleme gibt:

Dogo_Onsen_Matsuyama

Dōgo Onsen[3] in Matsuyama (Einer der ältesten und bekanntesten Onsen Japans, der zu Stoßzeiten aber auch unangenehm voll werden kann)

Kinosaki_Onsen

Die sieben Onsen[4] von Kinosaki (gut zu erreichen von Kyōto und Ōsaka)

Die zweite und meiner Meinung nach auch deutlich entspannteste Art des Badens mit Tattoo ist das Mieten eines Privat-Onsen. Da der überwältigende Anteil der Onsen nach Geschlechtern getrennt ist, können wir so als altes Ehepaar auch gemeinsam baden gehen, ohne uns im Urlaub aufteilen zu müssen. Privatonsen werden meist als kashikirionsen貸し切り温泉 oder kazokuonsen 家族温泉 (Familienonsen) oder kazokuyu 家族湯 (Familienbad) bezeichnet und können während einer gebuchten Dauer mit einer festgelegten Anzahl an Leuten benutzt werden. Viele traditionelle Hotels (Ryokans) haben solche Bäder dabei und üblicherweise kann man einmal am Tag eine Stunde kostenfrei buchen. Statt einem Onsen trifft man auch oft einfach auf ein normales Bad furo風呂oder ein Freiluftbad rotenburo 露天風呂. Der Unterschied ist für uns persönlich marginal, im Gegensatz zum Naturonsen ten‘nenonsen 天然温泉wird hier zumeist Leitungswasser ohne natürliche Zusätze (z.B. Schwefel oder andere Mineralien) benutzt. Wir gehen aber auch nicht wegen der zugeschriebenen Heilkräfte baden, sondern zum Entspannen in schöner Umgebung.

Onsen mit Privatbädern die wir besucht haben und für Leute mit Tattoo empfehlen können sind:

Kashiwaya_Ryokan_Onsen_Bottich

Kashiwaya Ryokan[5] (Shima-Onsen, Präfektur Gunma – explizit Tattoo-freundlich)

Mugen_no_Sato_Onsen_Beppu

Mugen no Sato Shunkashuto[6] (Beppu, Präfektur Ōita)

Shiro_no_Yu_Kumamoto

Shiro no Yu[7] (Kumamoto, Präfektur Kumamoto)

Hierbei gilt, mit Tattoo-freundlichen Ausnahmen wie dem Kashiwaya abgesehen: don’t ask, don’t tell. Bäder wie das Shiro no Yu in Kumamoto haben ebenfalls ein striktes Verbot von Tattoos und auch wenn es in den meisten Fällen bei Privatbädern völlig egal ist, weil euch keine anderen Gäste sehen können, würden wir jederzeit empfehlen, die Tattoos an der Rezeption abzudecken.

Falls ihr, wie ich, nur ein kleines Tattoo habt, könnt ihr es in vielen Onsen einfach abdecken. Auch hier gilt aber: es gibt auch solche, die das kategorisch ausschließen. Bisher habe ich nur einen Onsen gefunden, wo ich sogar vom Personal ein entsprechendes Pflaster bekommen habe:

Rurikei_Onsen_Kyoto

Rurikei Onsen[8] (Nantan, Präfektur Kyōto – gemischtes Bad mit Badebekleidung)

Alles in allem gibt es durchaus Möglichkeiten für Tätowierte, um in heißen Quellen einzuweichen. Es ist ein wenig Recherche notwendig und man muss eventuell Abstriche hinnehmen weil man nicht in alle offene Bäder einer Einrichtung nutzen kann, aber mit ein wenig Vorbereitung steht dem Badespaß nur wenig entgegen.

Zum Weiterlesen:

[1] Die Erhebungsgrundlage der Zahlen ist ein wenig fragwürdig, also mit Vorsicht zu genießen: http://biz-journal.jp/2017/03/post_18410.html

[2] Tourismusbehörde erbittet Lösung für Ausländer mit Tattoo in Onsen: https://www.cnn.co.jp/business/35080186.html

[3] Dōgo Onsen: http://www.dogo.or.jp/

[4] Kinosaki-Onsen: https://visitkinosaki.com/hot-springs/bath-houses/all/

[5] Kashiwaya Ryokan: http://www.kashiwaya.org/onsen

[6] Mugen no Sato Shunkashuto: http://mugen-no-sato.com

[7] Shiro no Yu – Family Baths: http://www.shironoyu.co.jp/spa/#family_bath

[8] Rurikei-Onsen: http://rurikei.jp/onsen/hotspring

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