10 Dinge, die in Deutschland nach einem Japan-Aufenthalt nerven

Kaum ist man zurück in der deutschen Heimat und genießt die erste gute Bio-Hofpfisterei-Stulle mit frischen Obazda, fallen einem direkt die Dinge auf, die bei uns in Deutschland irgendwie nicht ganz so toll sind, wie in Japan. Ja, ich lebe gerne in Deutschland, aber ein paar Dinge nerven mich direkt nach einem Aufenthalt in Japan ungemein.

Und damit bin ich nicht alleine! Ich habe die Frage mal in meinen Twitter-Feed geworfen und habe echt viel Feedback bekommen! Einerseits hat es mich in meinen eigenen Wahrnehmungen bestätigt und andererseits hat es mir die Gelegenheit gegeben, über neue Aspekte nachzudenken. Vielen Dank an alle auf Twitter, die mich mit ihren Tweets bei der Auswahl dieser Punkte unterstützen!

1. Telefonieren in öffentlichen Verkehrsmitteln

Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub, Ticket kaufen und ab in die U-Bahn, sich über den Sitzplatz freuen und noch ein bisschen auf dem Kindle lesen – doch schon klingelt das Handy meines Gegenübers! Nach einer halben Ewigkeit ist dies auch endlich gefunden und die gesamte Fahrt wird sich über belangloses Zeug ausgetauscht. Situationen wie diese kennt jeder.

Bahn fahren in Tokyo In vielen japanischen Bahnen gibt es Hinweis-Schilder, dass man aus Rücksicht seiner Mitmenschen sein Handy lautlos stellen und Telefongespräche unterlassen soll. Und tatsächlich halten sich fast immer alle daran. Auch laute (!) Gespräche mit Sitznachbarn sind eher unüblich – gerade in voll besetzten Zügen. Sehr angenehm!

2. Wechselgeld

Ich weiß nicht, wie es bei euch im Geldbeutel aussieht, aber Scheine und Kleingeld haben bei mir getrennte Fächer. Deswegen ist das in Deutschland immer etwas lästig, wenn man das Wechselgeld in Scheinen und Kleingeld auf einem Haufen zurückkriegt. Geld abheben bei 7/11 Wenn man in Japan sein Wechselgeld bekommt, dann werden die Rückgeld-Scheine immer nett vorgezählt von einem Mitarbeiter und rüber gereicht. Und erst, wenn man diese eingesteckt hat, bekommt man das Münzgeld. Hach, war das schön!

3. Netflix Angebot

Erst im September 2015 startete Netflix mit seinem Streaming-Angebot in Japan und hat bereits jetzt für Japan-Fans ein besseres Serien-Angebot zu bieten als das deutsche Pendant. Es gibt unzählige Anime (auch Klassiker), Dramas und japan-spezifische Dokus. UND die neue House of Cards-Staffel, während Deutschland noch ausharren muss. Neid!

4. Getränkeautomaten

Durstig sein muss in Japan niemand, denn an jeder Ecke stehen Getränkeautomaten rum, an denen man gekühlte, oder in der kalten Jahreszeit auch gewärmte, Getränke bekommt. Die Preise sind zwar etwas teurer als im Supermarkt oder Combini, trotzdem immer noch okay.

Bei unseren Radltouren in Japan ist das immer wieder ein Segen. Während wir in Deutschland unsere  Wasserflaschen rumfahren, können wir in Japan einfach nur am nächsten Getränkeautomaten anhalten und bekommen gekühltes Wasser. Ach, ist schon nett und bequem! Das Angebot an Getränkeautomaten in Deutschland ist meist eher schlecht. Entweder sind die Getränke ziemlich überteuert oder die Automaten sind alt, schlecht gewartet und schlucken dein Geld – wenn sie es überhaupt annehmen. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber in Deutschland kommen mir die Automaten immer „schmuddelig“ vor. . .

5. Raucher

Keine falschen Hoffnungen: Natürlich gibt es auch in Japan Raucher. Als jemand der in Bayern wohnt, genieße ich als Nichtraucher das Rauchverbot. Seit 2010 darf in Restaurants und Kneipen in Bayern nicht mehr geraucht werden. In Japan gibt es das nicht und so kann es immer wieder vorkommen, dass man in grauenhaften Raucher-Cafés landet. Meistens gibt es getrennte Bereiche für Raucher und Nichtraucher und tatsächlich funktionieren die Abzugssysteme hier (oft) gut genug, dass man selbst wenige Tische weiter kaum Rauch einatmen muss.

Raucherecke Japan Taketomi Okinawa

Auch am Strand von Taketomi (Okinawa) gibt es eine Raucher-Ecke

Aber es gibt in vielen japanischen Städten Rauchverbote auf den Straßen. An allen Ecken gibt es Raucherinseln, wo sich die Raucher treffen und an ihren Zigaretten ziehen. In öffentlichen Gebäuden gibt es auch oft extra Raucher-Räume, alles immer fein ausgeschildert. In Japan kommt (fast) niemand auf den Gedanken sich eine Zigarette beim Gehen, in der Bushaltestelle, auf der Rolltreppe nach oben von der U-Bahn oder in einer Warteschlange anzuzünden. Und ich liebe es! Klar, es gibt immer Leute, die sich nicht dran halten und wenn Party-Zeit ist, dann sehen es viele nicht mehr so eng, trotzdem klappt es. (Angeblich gibt es wohl Geldstrafen, wenn man erwischt wird?)

In Deutschland ist dafür wenig Verständnis da, wenn ich mich „an der frischen Luft“ über Raucher beschwere. Oft heißt es nur: „Ja, stell dich doch woanders hin“, danke auch!

6. Bahnfahren

Bahn fahren in Japan kommt mir immer wieder viel durchdachter und bequemer vor als in Deutschland. Ich denke, dies liegt zu großen Teilen daran, dass in Japan sehr viele Unternehmen am Zugverkehr beteiligt sind. Der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Unternehmen hat sicherlich den Vorteil, dass immer weiter optimiert wird. Es gibt daraus resultierend auch einige Nachteile. Wie die Tatsache, dass man manchmal zwischen den verschiedenen Betreibern nicht einfach umsteigen kann, ohne ein neues Ticket zu lösen – und das in der gleichen Stadt. Auch die Bahnhöfe werden manchmal ziemlich groß und verwirrend, wenn man die Bereiche sucht, wo Zugbetreiber XYZ jetzt seine Züge abfahren lässt.
Bahn fahren in Japan Snow Monkey Express Nagano

Ich mag, dass Züge in Japan geräumiger sind, dass es (fast) immer funktionierende Toiletten gibt, dass auf Bahnsteigen die Türen eingezeichnet sind und die Leute viel gesitteter ein-und aussteigen. In vollen Regionalzügen muss man nicht erst darauf hinweisen, dass man doch auch in die Gänge durchgehen sollte, die Leute machen es bereits einfach. In manchen Zügen gibt es sogar extra Raucher-Räume. (Brauch ich jetzt nicht wirklich, aber wer es mag…?)

7. Convience Food

Es gibt Mittagspausen, da bin ich verzweifelt auf der Suche nach Essen: Das Kantinenangebot gefällt mir nicht, mitgenommen habe ich auch nichts und das Angebot in den umliegenden Imbiss-Buden und Restaurants taugt mir gerade auch nicht. . . also geht’s in den Supermarkt und ich erinner mich traurig an die Tage in Japan. In den dortigen Supermärkten gibt es ein riesiges Angebot an frischen Convience Food, dass weit über die uns bekannten Salate und Sandwiches hinausgeht. Für jeden Geschmack gibt es abwechslungsreiche Kreationen.

Im japanischen TV haben wir vor einiger Zeit eine Doku gesehen, wo am Beispiel von belegten Sandwiches gezeigt, wie frisch die Produkte hergestellt werden und in die Läden kommen – da lagen teilweise nicht mal 2 Stunden dazwischen!

 

8. Öffnungszeiten im Einzelhandel

Ja, in vielen Teilen Deutschlands ist es mittlerweile normal, dass Supermärkte bis 21 Uhr oder länger geöffnet sind, aber in München muss man bis 20 Uhr alles erledigt haben. An manch langen Arbeitstagen ist an einen Einkauf am Abend nicht mehr zu denken. Wir feiern schon eine Party, wenn wir außerhalb Bayerns einen geöffneten Supermarkt am Abend finden – wie geht es uns da erst in Japan? Tja, man gewöhnt sich ziemlich schnell daran, dass an wirklich jeder Ecke ein Combini steht, der 24-Stunden geöffnet hat.

Shoppen Japan

Shopping auch am Sonntag!

Auch Supermärkte haben oft lange geöffnet, wenn es nicht sogar gleich ein Markt ist, der rund um die Uhr geöffnet hat. Auch shoppen ist ein bisschen lockerer, weil am Sonntag die Geschäfte geöffnet haben. Dafür gönnen sich viele Restaurants, Geschäfte oder Museen gerne mal unter der Woche einen Ruhetag – da sollte man sich vor seinem Besuch besser informieren, wenn man nicht vor geschlossenen Türen stehen will.

9. Essen gehen

Während unseren Reisen durch Japan besucht man doch häufiger Cafés, Restaurants und Bars und kann da deutliche Unterschiede zu den Abläufen bei uns in Deutschland erkennen. So bekommt man in Japan immer Wasser oder Tee, sobald man in einem Restaurant Platz nimmt. Oft wird es sogar von aufmerksamen Bedienungen nachgeschenkt. Ich liebe das und ganz ehrlich: es spart mir Geld, da ich oft auf ein weiteres Getränk verzichte.

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Wenn man bestellen möchte, gibt es in den Restaurant-Ketten und Schnellimbissen meistens Klingeln um die Bedienung zu rufen. Und wenn es die nicht gibt, dann reicht ein gerufenes „Sumimasen“ und die Bedienung steht kurze Zeit später am Tisch, um die Bestellung aufzunehmen.

Und der beste Punkt: Der Kunde entscheidet, wann gezahlt wird! Ihr seid mit dem Essen fertig und wollt zahlen, aber der Kellner kommt und kommt einfach nicht? Ich denke jeder von uns war schon mal in dieser Situation. In Japan zahlt man nicht am Platz, sondern an einer Kasse am Ausgang. Die Rechnung wurde in den meisten Fällen vorher bereits am Tisch deponiert und wird zur Kasse mitgenommen, um zu zahlen.

10. Öffentliche Toiletten

Wenn es sie denn gibt! In Deutschland darf man  eigentlich nicht unterwegs mal auf’s Klo müssen. Denn hier sind öffentliche Toiletten entweder total verdreckt, zerstört, kostenpflichtig (dann immerhin mehr oder weniger sauber) oder „Nur für Gäste“. Puh.

Wohingegen ich in Japan nie, aber wirklich und wahrhaftig NIE, lange nach einer öffentlichen Toilette suchen musste. Sie sind einfach überall und sie sind wahnsinnig gut gepflegt. Es gibt heile Spiegel, Klopapier und selbst in der abgelegenen Bushaltestelle in den Bergen von Ainokura erwartete mich eine beheizte Klobrille. Ich weiß nicht, wie Japan dies organisiert (und bezahlt), aber ich liebe es. Wirklich. Wenn ihr dachtet, ich bin unausstehlich, wenn ich Hunger habe…es ist schlimmer, wenn ich auf’s Klo muss.

Und jetzt seid ihr dran? Welche Dinge vermisst ihr an Japan, die hier in Deutschland ganz anders gemacht werden? Ich freue mich auf eure Geschichten!

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