Home JapanJapan Travel Guide Ein Bad im Onsen: Japans heißen Quellen
Ein Bad im japanischen Onsen

Ein Bad im Onsen: Japans heißen Quellen

1 Kommentar

Ihr möchtet bei eurem Urlaub in Japan einen Onsen besuchen? Gute Idee, ein Bad in den heißen Thermalquellen ist für uns im Urlaub immer eine willkommene Erholungspause und wir können dies nur empfehlen.

Aber Vorsicht: Ein Onsenbesuch bedeutet in den meisten Fällen, sich nackt gemeinsam mit anderen Menschen zu waschen, zu baden und zu entspannen. Die Angst davor, sich als Urlaubsgast vor den Japaner*innen nackt zu bewegen, hält viele von dieser Erfahrung ab. Daher soll euch dieser Artikel ermutigen, es doch einfach mal zu probieren und auch Hilfestellungen geben, eine passende Thermalquelle zu finden. Die Atmosphäre ist auch absolut nicht vergleichbar mit der Gemeinschaftsdusche, die wir aus Schulzeiten kennen – versprochen!

Was ist ein Onsen?

Auf Erbeben und Vulkane können wir eigentlich verzichten, aber die vulkanischen Aktivitäten bringen auch einen positiven Aspekt mit: heiße Thermalquellen! Das Wasser wird unterirdisch erwärmt und nimmt dabei auch verschiedenen Mineralien auf. Heißen Quellen wird auch eine (unterstützende) heilende Wirkung nachgesagt. Es gibt Aufzeichnungen aus dem 12. bis 17. Jahrhundert, dass viele Samurai zur Heilung ihrer Wunden heiße Quellen nutzten. Doch schon lange vor dieser Zeit wurden Onsen in Japan aufgesucht.

Privatonsen im Kashiwaya Ryokan in Shima Onsen (Gunma)

Im modernen Japan sind Onsen aber nicht nur ein Ort der Heilung, sondern vor allem ein Ort der Entspannung geworden. Die Regierung verabschiedete 1948 das „Onsen-Gesetz“. Dort wird festgehalten, dass mindestens eines von 19 chemischen Elementen im Wasser enthalten sein muss und das Quellwasser mindestens 25°C haben muss, wenn es an die Oberfläche kommt. Dort ist auch aufgeführt, welche weiteren Chemikalien in welchen Mengen hinzugefügt werden dürfen. Was genau im Wasser enthalten ist, kann meist auf Infotafeln in den Umkleideräumen (auf Japanisch) nachgelesen werden.

Onsenbäder sind meist geschlechtergetrennt, weil man nackt gemeinsam badet. Man entkleidet sich in einem Vorraum, geht nackt ins Bad und dort wäscht sich jeder in einem Duschbereich – erst danach wird sich im Badebecken entspannt. (Ein Artikel zur Onsen-Etikette ist bereits in Arbeit!)

Die Bäder werden täglich gereinigt und im Normalfall ist das Wasser nicht gechlort – aber es gibt einige Bäder, bei denen es dennoch gemacht werden muss, weil zu wenig Wasser aus den Quellen kommt und ablaufendes Wasser in den Becken wiederverwendet wird (diese Vorgehensweise wird in Onsen Liebhaber-Kreisen übrigens hitzig diskutiert).

Den richtigen Onsen in Japan finden

Um einen Onsen für seinen Besuch zu finden, müsst ihr erst einmal wissen, was es überhaupt an Optionen gibt.

Onsen lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

  • Hotel mit Onsen-Angebot für Übernachtungsgäste: Es gibt geschlechtergetrennte Gemeinschaftsbäder, manchmal auch mit mietbaren Privat-Bädern oder auch Onsen im eigenen Hotelzimmer.
  • Tages-Onsen: Können nur tagsüber zu den Öffnungszeiten besucht werden und bieten keine Übernachtungsmöglichkeiten an. Oft bieten diese auch ein benachbartes Restaurant und Aufenthaltsräume.
  • Hotel-Onsen, die auch für Tagesbesucher öffnen: Eine Mischung aus den ersten beiden Kategorien.

Die meisten Onsen liegen in privater Hand, es gibt aber auch Städte und Gemeinden, die Onsenbäder betreiben.

Duschbereich im Onsen

Onsen-Bäder: viele Optionen und Möglichkeiten

  • Geschlechtergetrennte Gemeinschaftsbäder: Das Herzstück eines jeden Onsens – die Gemeinschaftsbäder. Große Innenbecken mit Waschbereich jeweils für Männer und Frauen.
  • Privatbäder, die sich nahestehende Personen gemeinsam nutzen können: Beachtet aber, dass diese separat angemietet werden müssen und oft einen Aufpreis kosten. Dafür werden regional auch unterschiedliche Begriffe verwendet: kashikirionsen [貸し切り温泉] oder kazokuonsen [家族温泉] (Familienonsen) oder kazokuyu [家族湯] (Familienbad) 
  • Außenbäder (Rotenburo, 露天風呂): Neben dem Haupt-Gemeinschaftsbad haben einige Onsen auch angeschlossene Außenbäder, tolle Aussicht meist inklusive.
  • Sehr, sehr selten: Onsen, bei denen die Gemeinschaftsbäder von Männern und Frauen gemeinsam genutzt werden. Nackt. (Konyoku)
  • Im Kommen: Onsen, die mit Badeanzug oder „Badekleid“ (meist aus Frottee) von beiden Geschlechtern gemeinsam genutzt werden.
  • In manchen Regionen gibt es auch spezielle Formen von „Onsen“, z.B. kann man sich am Sandstrand in heißen Sand einbuddeln lassen (z.B. in Ibusuki bei Kagoshima)
  • Fuß-Onsen Ashi-Yu [足湯]: in Gegenden mit Onsen gibt es oft die Möglichkeit sich in einem zu entspannen.

Onsen-Regionen entdecken

Unsere Empfehlungen für einen Onsen-Besuch ist es eine Region in Japan aufzusuchen, die für ihre heiße Quellen bekannt ist. Es gibt nämlich durchaus Orte, die mehr Thermalquellen haben als andere. Es gibt im ganzen Land Onsen-Resorts, diese sind aber meist nicht direkt in den Ballungszentren von Tokyo und Kyoto zu finden, sondern verlangen Fahrten von ein bis drei Stunden ins Umland.

Berühmte Onsen-Regionen Japans
Im ganzen Land finden sich Regionen, die für ihre heißen Thermalquellen bekannt sind. Einige könnt ihr auf dieser Karte sehen.

Für einen ersten Onsenbesuch empfehlen wir eine Übernachtung in einem Hotel mit heißen Quellen in einer Onsen-Region. Am liebsten recherchieren wir dazu Hotels auf der Webseite Japanican in unseren Wunschregionen. Hier gibt es die praktische Möglichkeit nach verschiedenen Onsen-Optionen zu filtern: Außenbäder, reservierbare Privatbäder und noch einiges mehr!

Japanican Beispiel Suche Onsen Japan in Gunma
Eine Suche nach Hotels mit Onsen in der Präfektur Gunma bei Japanican.

Wenn ihr unsicher seid oder auch, wenn ihr Tattoos habt, ist unsere Empfehlung immer sich ein Hotel zu nehmen, dass private Bäder anbietet oder sogar Onsen im Zimmer (oder auf dem Balkon). Gerade für Familien mit Kindern oder auch Pärchen ist dies unser Favorit. Da es sich bei Hotels mit solchen Angeboten meist um traditionelle und hochwertige japanische Gasthäuser (Ryokan) handelt, ist der Preis für eine solche Übernachtung oft teurer. Vergesst aber nicht, dass hier normalerweise auch zwei traditionelle Menüs (Abendessen und Frühstück) enthalten sind. Und ich persönlich liebe ja die Ausleihoptionen für Yukata und Haori (Kimono-Jacken) die es hier oft gibt.

In der Onsen-Stadt Kinosaki mit dem Leih-Yukata und Haori.

Die meisten Regionen Japans haben extra Tourismus-Webseiten, wo sie ihre Highlights vorstellen. Auch Onsen sind als beliebte Entspannungsorte immer wieder genannt und vorgestellt. Hier lassen wir uns immer wieder inspirieren auf der Suche nach schönen Onsen.

Wenn ihr nicht gerade in einem Onsen-Ort seid, findet ihr die lokalen Angebote mit einer Google-Suche unter dem Suchwort „温泉“ (jap. Onsen) einfach auf GoogleMaps eingeben und die Suchergebnisse durchschauen. So haben wir schon das ein oder andere Bad entdeckt.

Hilfreiche externe Links zur Onsen-Suche:

Angst vor Onsen: … ist es peinlich, sich nackt unter Japaner*innen zu zeigen?

Sich nackt unter andere Menschen zu mischen ist eine Situation, die wir normalerweise vermeiden. Nacktheit ist etwas, dass wir nur mit uns nahestehenden Personen teilen. Eigentlich sollte man meinen, dass wir Deutschen mit FKK-Badestrände oder den vielen Saunen kein Problem haben sollten, aber doch: sich nackt zu zeigen, ist für viele von uns ein großer Sprung über den eigenen Schatten. Bei meinem allerersten Onsen-Besuch habe ich mich sehr geschämt. Auch weil ich nicht wusste, wie die Abläufe sind: Was erwarten die anderen von mir und wie funktioniert das überhaupt? Ich weiß nicht, wie es euch Männern geht, aber ich hab das Gefühl wir Frauen machen uns einfach viel mehr Gedanken – gerade ob wir unseren Körper anderen präsentieren wollen oder können.

Izu Kawazu: Onsen in Japan am Meer
Viele Außenonsen haben wunderschöne Aussichten: wie hier auf das Meer und die Küste von Kawazu (Izu).

Gemeinsam baden – aber doch jeder für sich

Nach vielen Bädern in Onsen in Japan kann ich sagen: Die allgegenwärtige Nacktheit im Onsen ist nicht zu vermeiden, aber alle arrangieren sich irgendwie damit und genießen letztendlich ein heißes Bad. Niemand wird euch anstarren, niemand wird Kommentare zu eurem Körper machen – auch nicht in anderen Sprachen. Im Grunde sind alle mit sich selbst und ihren Familienmitgliedern beschäftigt und interessieren sich nicht für euch. Nach vielen Onsen-Besuchen hat sich für mich selbst auch eine Normalität eingestellt. Die Nacktheit im Onsen in Japan gehört dazu und die Frauen, die ich dort treffe sind ebenfalls nicht perfekt. Es ist nicht einfach, aber wir müssen uns gedanklich davon trennen, dass wir wie Supermodels aussehen müssen. Kein Körper ist perfekt und das Beste: es erwartet auch keiner von euch. Und um das zu verinnerlichen, hilft vielleicht auch ein Bad unter vielen nackten Menschen, die ebenfalls nicht perfekt sind?

Mir jedenfalls hat es geholfen mit dem Thema Nacktheit deutlich entspannter umzugehen und daher kann ich jedem nur empfehlen: zieht euch aus und genießt Japans Onsen! (Und für die Fragen, was ihr wann wie im Onsen machen “müsst” – da kommt demnächst auch ein Artikel!)

Weitere Artikel zum Thema Onsen:

1 Kommentar

Weiterlesen

1 Kommentar

Galileo 18. Oktober 2019 - 19:40

Cooler Artikel :3 Und Daumen hoch, dass er Fotos hat. Ich war 2x in einem Onsen und diese Gelegenheiten sind naturgemäß nicht auf irgendwelchen Urlaubsbildern enthalten – auch schade^^

Antworten

Was denkst du?