Nintendo Switch Hands-On und Zelda: Breath of the Wild

 

Als langjähriger Nintendo-Fan, der alle Konsolen vom NES bis zur Wii U besaß und viel Spaß und sehr viele Erinnerungen mit den Geräten verknüpft, ist es immer wieder ein ganz besonderer Moment, wenn man zum ersten Mal die Finger an neue Hardware legen kann. Im Rahmen eines Presse-Events von Nintendo in München hatte ich zusammen mit OMFPrinnyDood jetzt auch endlich die Möglichkeit, die neue Nintendo Switch ausgiebig anzuspielen und mich in die Welt des neuen Zelda: Breath of the Wild zu stürzen.

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Ich habe schon einige Events dieser Art miterlebt, zuletzt beim Release von Splatoon von Wii U, aber diesmal hat sich Nintendo große Mühe gegeben, nicht nur die Location ansprechend zu gestalten, sondern mit großzügiger Ausstattung und buchbaren Timeslots dafür zu sorgen, dass wir jedes Spiel fast beliebig oft und lange anspielen konnten.

Hands-On: die Nintendo-Switch im Ersteindruck

Die große Frage war natürlich erst einmal: wie liegt die Switch in der Hand, wie wirkt die Verarbeitung und wie lässt es sich mit den verschiedenen Eingabeoptionen spielen? Die Konsole selber wirkt sehr edel, das eingebaute Display ist scharf und kontraststark und alle Spiele, die wir gespielt haben, sahen dort noch einmal deutlich besser aus als auf dem großen TV. Die Auflösung von vermutlich 720p passt sehr gut zu der Größe des Geräts.

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Die Eingabe über die seitlich angesteckten Joy-Con-Controller funktioniert problemlos, wobei das Gerät selber überraschend schwer daherkommt wenn man das Wii U-Tablet gewohnt ist und die Joy-Con-Sticks ein wenig zu klein dimensioniert wirken. Es liegt aber zusammengesteckt gut in der Hand und die angespielten Titel ließen sich sehr gut damit kontrollieren. Den Touch-Screen konnte ich nicht ausprobieren.

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A propos Joy-Con: einzeln für sich funktionieren die beiden Mini-Controller sehr gut in Mini-Spielen, aber nach einer Runde Mario-Kart war für mich klar, dass dies nicht mein präferierter Eingabemodus sein wird: sie sind einfach zu klein für normale Hände. Hier befürchte ich, dass mir wie beim ersten 3DS nach kurzer Zeit die Hände wehtun und verkrampfen. Klasse ist aber die neue Rumble-Funktion: so viel differenziertes Gewackel haben wir noch nie erlebt, in einem Minispiel war es uns sogar möglich, die Anzahl von simulierten Murmeln innerhalb des Joy-Cons abzuschätzen und ARMS hat gezeigt, wie präzise die Bewegungseingabe funktioniert. Hier störte auch die Größe nicht, weil man nur jeweils zwei gut zu erreichende Knöpfe brauchte und keinen Stick.

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Ebenfalls gut in der Hand liegen die beiden Joy-Cons, wenn man sie mit der Halterung kombiniert. Hier werden sie zu einem vollwertigen Controller mit guter Ergonomie und somit zu meiner präferierten Eingabe im ganzen Bundle. Es bleiben aber die kleinen Sticks und ein meiner Meinung nach ärgerliches großes Manko: die mitgelieferte Halterung ist nur ein Stück Plastik, man kann über sie die Joy-Cons nicht aufladen. Zwar kann man bereits für etwa 30 EUR eine Halterung vorbestellen, die genau das kann, aber in der Standardausführung sieht es so aus, dass man die Joy-Cons an den Bildschirm anbringen muss, um sie aufzuladen. Das heißt aber auch: man kann in dieser Zeit ohne zweiten Controller nicht mehr über den TV spielen und auch nur jeweils ein Paar Joy-Cons gleichzeitig aufladen. Leider habe ich versäumt zu fragen, ob man, während man im Handheld-Modus spielt, die Joy-Cons auflädt. Wünschenswert wäre es allemal. Möglich und wünschenswert wäre eine Funktionsweise ähnlich der Wii U, bei der man mit dem ganzen Tablet spielt, aber das Bild trotzdem auf dem TV ausgibt. Wir werden sehen wie das gelöst wird.

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Der Pro-Controller liegt extrem gut in der Hand, fast auf dem Niveau des exzellenten Xbox One-Controllers, ist aber nur separat erhältlich und für meine Einschätzung der Konsole deshalb nur von untergeordneter Bedeutung.

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Ersteindruck: Gut!

Ich kann es nicht verstecken: eine neue Nintendo-Hardware macht mich jedes mal zappelig. Die Wii U habe ich lange verteidigt, denn sie bot einige exzellente Spiele, aber am Ende ihres Lebenszyklus muss man konstatieren: schlussendlich war sie eine Enttäuschung, die sich am Ende nur noch mit Remakes von alten Zelda-Spielen halten konnte und deren Online-Funktionen mehr als 10 Jahre zurückhängen. Kann Nintendo hier mit der Switch aufholen? Unklar. Das Konzept ist jedenfalls mutig: mit der Kombination von portablen Geräten und der stationären Heimkonsole verabschiedet man sich gewissermaßen vom Konkurrenzkampf mit den anderen Herstellern. Im besten Falle kommen alle 3DS-Marken demnächst in ansprechender Optik für die Switch, was die Spielebasis extrem vergrößern würde. Im schlimmsten Fall stellt man sich eine Wii U ins Haus die man unterwegs benutzen kann. Ob das Konzept aufgeht ist völlig unklar, aber es ist gewagt, frisch und meiner Meinung nach sehr spannend. Der Handheld-Markt ist groß, der Erfolg des 3DS zeigt es. Die Angst bleibt, dass die Switch ein stiller Abgesang Nintendos auf den Heimkonsolenmarkt ist, aber das muss sich alles noch zeigen. Ich persönlich bin jedenfalls überzeugt, dass die Nintendo Switch Potential hat. Im Endeffekt liegt es wie immer an den Spielen: wenn Breath of the Wild super wird, wenn Mario Odyssey ein Knaller ist, wenn man schlafende Marken wie Metroid und F-Zero erfolgreich wiederbeleben kann und wenn die Online-Funktionen endlich im 21. Jahrhundert ankommen, dann wird es für mich ein Erfolg.

Aber: die Wii U hat gezeigt, dass das mit den Spielen nicht so einfach ist. Wirklich gute Exklusivtitel haben sich bitter rar gemacht, andere haben schlichtweg enttäuscht. Mit der schwachen Heimkonsolenhardware geht man jedenfalls wieder ein großes Risiko ein, was die Unterstützung von Drittherstellern angeht. Aber: man bietet auch etwas neues, ein Alleinstellungsmerkmal dass sich der reinen Hardwarekonkurrenz, wie sie etwa zwischen Sony und Microsoft ausgetragen wird, entzieht. Ich bin jedenfalls guter Dinge was die Switch angeht und hoffe, diesmal nicht enttäuscht zu werden. Und ein kleines Schmankerl für mich als Japanologen: es gibt keinen Region Lock. Das heißt ich kann mir künftig endlich auch Spiele aus Japan holen. Damals habe ich mir in Kyôto extra einen japanischen 3DS kaufen müssen, der dann nicht mal kompatibel zum Spielen mit dem meines französischen Nachbarn war. Eigentlich verdient hier niemand Lob endlich das offensichtliche getan zu haben, aber: es ist gut so.

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Nintendo Switch: die Spiele

Was ist wichtiger als jede Hardware? Die Spiele, die auf ihr laufen. Auf dem Event hatte ich die Möglichkeit, gleich einen ganzen Haufen verschiedener Spiele für die Nintendo Switch auszuprobieren und wurde oftmals positiv überrascht. Aber hier nun die Ersteindrücke im einzelnen!

Zelda: Breath of the Wild

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Der Elefant im Raum. Man kommt nicht umhin über Zelda zu sprechen, wenn man über die Switch spricht. Wir hatten die Möglichkeit drei mal 20 Minuten in der Demo des Startgebietes, dem Great Plateau zu verbringen. Das war zu wenig Zeit um sich wirklich in Ruhe umzusehen, aber genug um einen Ersteindruck zu bekommen. Und der ist bei mir fantastisch. Das Spiel bietet unzählige Möglichkeiten zur Erkundung, die Steuerung ist weich und… es ist einfach Zelda. Prinny meinte, für ihn geht bei Breath of the Wild alles verloren, was Zelda ausmacht. Für mich war es umgekehrt: alles was Zelda ausmacht, fühlte sich wie in eine genau passende Form gegossen. Hier werden sich die Geister mit Sicherheit scheiden, der Sprung in eine komplett offene Welt und der Bruch mit vielen Traditionen kann für einige erfrischend, für andere ein Verlust sein. Der Inhalt der Demo ist wohlbekannt und auf Youtube unzählig oft zu finden, weshalb ich vor allem sehen wollte, wie das Spiel auf der Switch läuft. Wir hatten im TV-Modus einige fiese Performance-Einbrüche zu verzeichnen, ansonsten schienen die 30fps halbwegs gehalten zu werden. Switch oder nicht, die Texturen sind matschig und das Kantenflimmern teilweise wirklich schlimm und man möchte eigentlich nicht darüber nachdenken, was dies für die Wii U Version bedeuten mag. Das Art-Design kann viele der technischen Probleme aber wunderbar kompensieren. Eine sehr gute Figur macht das Spiel im Handheld-Modus – der kleine Bildschirm schluckt viele der Probleme und für ein mobiles Spiel sieht Zelda fantastisch auf. Natürlich war die Zeit viel zu kurz für einen wirklichen Eindruck, aber das was ich gesehen habe, macht mir extrem Lust auf mehr und meine Erwartungen für Breath of the Wild sind mittlerweile extrem hoch. Und Nintendo hat, was Zelda angeht, den Vertrauensvorschuss bei mir verdient: es wird ein Knaller werden. Sage ich jetzt mal so.

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Arms

Ein heimliches Highlight: Boxkämpfe mit ausfahrbaren Armen, die für kurze Zeit unheimlich viel Spaß machen. Das Motion-Control funktioniert tadellos und die Steuerung geht sofort ins Blut. Gegen einen menschlichen Gegner zu kämpfen macht es sofort interaktiv und super spaßig. Der Umfang der Demo die wir spielen konnten war allerdings etwas mau: nur 5 Charaktere und eine Auswahl eigentlich belangloser Arenen, denn wo man kämpft macht hier kaum einen Unterschied. Arms hat das Potential zum Party-Kracher, wenn es noch mit Inhalt gefüllt wird der länger motivieren kann.

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Snipperclips

Die zweite Überraschung des Abends. Ein Co-Op Puzzlespiel in dem man kleine Papierfetzen spielt die sich gegenseitig abschneiden können und auf diese Weise allerlei knifflige Rätsel lösen muss. Wenn der Umfang stimmt, kann auch Snipperclips ein Party-Kracher werden. Wir hatten jedenfalls mit der kleinen Demo erheblichen Spaß und die immer länger werdende Schlange um uns herum zeigte, dass wir nicht alleine waren.

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Splatoon 2

Splatoon 2 spielte sich exakt wie der erste Teil – und das ist prinzipiell keine schlechte Sache. Wer es mochte, wird sicher gefallen finden an den chaotischen aber motivierenden Matches. Positiv: der Pro-Controller verfügt nun ebenfalls über Motion-Control, heißt man kann Splatoon auf der Switch auch damit spielen. Splatoon 2 steht und fällt jedenfalls mit den neuen Online-Funktionen. Der erste Teil war erfrischend, motivierend und gut gemacht, aber wenn ich nicht mit meinen Freunden kommunizieren kann, dann brauch ich auch nicht mit ihnen spielen. Es wird sich zeigen wie Teil 2 damit umgeht.

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Mario Kart 8 Deluxe

Mario Kart 8 in leicht aufgehübscht mit ein paar Zusatzfunktionen wie 2 Items gleichzeitig und wohl neue Charaktere und Strecken. Alter Kaffee neu aufgegossen. Das Spiel ist grandios, aber… wir haben es schon? Das ist genau die Produktpolitik, vor der sich wahnsinnige Angst habe. Twillight Princess HD war noch halbwegs hübscher als sein Original, aber Mario Kart 8 und Deluxe sehen fast identisch aus. Hoffentlich bleibt das eine Ausnahme im Sinne von „wir wollen diesen tollen Racer auch mobil verfügbar machen“.

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1-2-Switch

Eine Sammlung von Minispielen die für ein paar Minuten Spaß machen und dann im Regal landen. Ganz im Ernst: für eine Technikdemo was die Switch und vor allem der Controller kann, ist es wunderbar geeignet, aber keines der fünf Spiele, die wir ausprobiert haben (ein Westernshooter, Milchmelken  am Euter (!), Murmeln fühlen, Tresor knacken und Schwertkampf), hat das Potential über die ersten fünf Minuten hinweg zu begeistern. Entweder sind die anderen Spiele im Paket deutlich motivierender, oder man hat sehr viel Selbstvertrauen, das als Vollpreisspiel für 50 EUR verkaufen zu wollen.

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Nintendo Switch – Wohin geht die Reise?

Zusammenfassend lässt sich also folgendes konstatieren: ich halte das Hardware-Konzept der Switch für gewagt, sehe aber durchaus das Potential, dass die Rechnung aufgehen könnte. Das Gerät selber gefällt mir sehr gut, es wirkt edel verarbeitet und die Eingabegeräte sind in Ordnung bis sehr gut, je nachdem wie man es gerade zusammenbaut. Zu den Spielen lässt sich noch nicht viel sagen, Zelda ist mit Sicherheit das einzig wirkliche Zugpferd derzeit. Die meisten waren ganz in Ordnung, Arms und Snipperclips waren überraschend gut, aber der Umfang und die Motivation beider Spiele ist hier entscheidend und derzeit nicht einzuschätzen. Es gibt viele kleine Dinge zu kritisieren und am Ende steht die Frage, ob sich diese Kleinigkeiten irgendwann zu stark summieren. Wohin die Reise geht ist also völlig unklar. Als Fan von Nintendo und ihrer Spiele wünsche ich mir den Erfolg der Switch, aber schlussendlich haben sie es selber in der Hand. Jetzt wo die Hardware da ist, vor allem mit guten Spielen. Wir hoffen jedenfalls das Beste.

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