Nach Japan reisen ohne Sprachkenntnisse: keine Angst!

Erfahre hier, wie viel Japanisch du für deinen Urlaub wirklich können musst!

Wenn ich über Japanreisen spreche, dann kommt früher oder später auch die Sprache auf meine Japanischkenntnisse. Viele denken, ohne Japanisch kommt man als Tourist in Japan nicht zurecht, aber dem muss ich widersprechen. In diesem Artikel würde ich euch gerne die Angst vor der Sprachbarriere nehmen, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass man das Land als Tourist auch ohne umfangreiche Sprachkenntnisse sehr gut entdecken kann.

Tourismus und Olympia 2020: Japan wird internationaler

Der Tourismus in Japan boomt und zwar mächtig! Im Jahr 2020 finden in Japan olympischen Spiele statt und weil die Welt dann erneut (nach 1964) in Tokyo zu Gast sein wird, wird aktuell viel unternommen, damit die Gäste besser im Land zurechtkommen.

Wenn man sich die Touristenzahlen einmal anschaut, dann sieht man, wie extrem viele ausländische Touristen nach Japan kommen. Selbst die Weltwirtschaftskrise 2009 und die Dreifachkatastrophe im März 2011 konnte den Boom nur kurz bremsen und seit 2012 steigen die Zahlen rasant. Die Prognosen für 2017 versprechen, dass Japan wieder einen neuen Touristen-Rekord aufstellen wird.

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Die meisten Besucher kommen aus asiatischen Ländern wie China, Korea, Taiwan oder Hongkong. Erst mit großem Abstand folgen Besucher aus europäischen Ländern oder der USA.  Meiner Meinung nach ist das tatsächlich logisch: der Reiseweg ist länger und damit auch mit mehr Kosten und Zeitaufwand verbunden. Auch die Sprachbarriere spielt hier eine Rolle. Besucher aus asiatischen Ländern sprechen zwar auch oft kein Japanisch, aber dadurch, das ein großer Teil der japanischen Schrift auf chinesischen Zeichen aufbaut, können sich Besucher aus China oder Taiwan oft den Sinn von Texten erschließen, auch wenn sie nicht wissen, wie die Schriftzeichen ausgesprochen werden. Ich denke, man kann es sich ähnlich vorstellen, wie wenn man Französisch kann, aber beim Lesen auch Spanisch oder Italienisch sich zu einem Teil erschließen kann. 🙂

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Harajuku in Tokyo

Der Touristen-Boom in Japan bringt auch Probleme mit sich, z.B. dass sich die meisten Touristen auf der sogenannten „Goldenen Route“ bewegen und hier die Unterkünfte, Zugverbindungen und Touristenattraktionen aus allen Nähten platzen. Deswegen ist Japan sehr darauf bedacht, dass auch Ziele abseits von Tokyo – Hakone – Kyoto – Nara – Osaka von Touristen angesteuert werden. Aber Probleme hin oder her: wir Touristen, profitieren auch davon, weil der Zugang zu Japan und Kultur „einfacher“ wird. Es gibt zahlreiche Konzepte und Ideen, um Japan-Besuchern auch andere Ziele näher zubringen. Das beginnt z.B. damit, dass die JNTO mehrsprachige Websites und Social Media-Kanäle betreibt, bis dahin, dass man sich dafür einsetzt, das Informationen nicht nur in großen Metropolregionen, sondern auch in den „kleineren“ Zielen  in anderen Sprachen auf Hinweisschildern und Flyern verfügbar sind. Natürlich sind Touristen auch eine sichere Einnahmequelle für private Unternehmen, die immer häufiger auch Chinesisch, Koreanisch und Englisch als Sprach-Alternativen im Service anbieten. In den letzten Jahren ist hier sehr viel passiert und ich finde diese Entwicklung sehr positiv.

Ganz ehrlich: wer reist ausschließlich in Länder, deren Landessprache er fließend spricht?

Es wird nicht immer reibungslos sein und ihr werdet sicher auch Situationen erleben, in denen ihr euch wünscht Japanisch zu sprechen oder immerhin die Schrift entziffern zu können. Ich lese relativ oft die Meinung, dass man ein Land wie Japan nur besuchen darf, wenn man die Sprache kann. Das finde ich persönlich ziemlich überheblich. Wenn ich selber nur noch die Länder besuchen darf, deren Sprache ich zumindest ansatzweise spreche, dann wird die große Welt plötzlich ziemlich klein.

Ein Vorteil der modernen Welt ist doch, dass wir uns frei bewegen und die Welt entdecken können. Ich habe noch so viele Reiseziele auf der Liste wie Finnland oder Taiwan, Südkorea reizt mich auch. Ich würde auch gerne mehr von Frankreich sehen, als nur Paris und Straßburg und nach unserm Besuch in Bari, hab ich wahnsinnige Lust mehr von Italien zu entdecken. Auch unser Besuch in Prag war sehr schön – kann ich von all diesen Ländern fließend die Landessprache? Nein, spreche ich nicht. Aber das ist für mich kein Hindernis – und ganz ehrlich, gehört es nicht auch irgendwie zum Reisen dazu, dass man irgendwann mit dem Smartphone und Google Translate (oder früher mit einem Reise-Wörterbuch) da steht, weil man anders nicht weiterkommt? Aber lasst euch versichert sein: auch wenn man denkt man „kann“ Japanisch, kommt irgendwann im Laufe der Reise dieser Moment , an denen du mit dem Lehrbuch-Japanisch scheiterst. Und sie es nur am Wort „Tüte“, dass immer wieder anders klingt und mit anderen Bedeutungsnuancen verwendet wird. (baggu, maibaggu, fukuro, biniiru – und was es nicht alles gibt)

Typische Touristen-Situationen, bei denen du keine Angst haben muss:

Wie eingangs schon erwähnt, erlebt Japan einen Touristen-Boom. Dies bedeutet, dass an den Orten, die von Touristen besucht werden können, die meisten Japaner auch bereits auf einen Besuch ohne Japanisch-Kenntnisse vorbereitet sind. Ihr seid sicher nicht die Ersten, die den Weg dorthin gefunden haben.

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Landeanflug auf Haneda (Tokyo)

Am Flughafen:

Kein Problem – internationale Flughäfen sind in jedem Land per Definition schon „international“.  Hier findet ihr wie selbstverständlich immer Hinweise in Englisch und bei den meisten Fluglinien arbeiten ebenfalls oft Kollegen, die Englisch können. Selbst am kleineren Inlands-Flughafen in Ishigaki hat man sich sehr bemüht.

Am Bahnhof:

Ticket Offices von JR ( みどりの窓口)

Einer der Orte an den JR-Bahnhöfen, die wir oft besuchen. Mit einem Railpass kann man sich nämlich kostenlos Sitzplätze im Shinkansen reservieren. Im Idealfall habt ihr schon euren gewünschten Zug herausgesucht, zeigt dies kurz den Mitarbeitern am Schalter und mit ein paar englischen Stichpunkten bekommt ihr kurze Zeit später auch eure reservierten Sitzplatz-Tickets. Wir haben in den Ticket-Offices schon alles erlebt: Mitarbeiter, die perfekt Englisch sprechen und Mitarbeiter die scheinbar kurz Panik haben, wenn man zur Tür hereinkommt, aber dann doch super zurechtkommen.

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Linienplan mit japanischen Schriftzeichen und darunter auch in English

Ticket-Automaten für den Nahverkehr:

Ebenfalls sehr einfach, da man alle Automaten (an denen ich bisher war) auch die Sprache umstellen konnte. Manchmal, gerade in größeren Städten, kann es aber auch länger dauern, bis man versteht, welchen Betrag man nun für die entsprechende Strecke lösen muss, weil das Liniennetz nicht direkt verständlich ist. (Was nicht an der Sprache, sondern an oft vielen verschiedenen Linien liegt) Weil mich das im Urlaub oft nervt und Zeit kostet, empfehle ich euch eine IC-zuzulegen. Dies sind Prepaid-Karten, auf die man Geld lädt, um damit den Nahverkehr zu nutzen.  Der Fahrpreis wird automatisch vom Karten-Guthaben abgezogen, wenn man die Ticket-Schranken durchquert.

Bei Problemen ist nahezu jeder Bahnhof in Japan auch mit Mitarbeitern besetzt, die immer ansprechbar sind – zwar nicht immer mit großem Englisch-Können, aber doch sehr serviceorientiert.

Mehr Infos zu den IC-Karten erhaltet ihr im Artikel: 5 Gründe, warum Du Dir in Japan eine SUICA, ICOCA oder PASMO besorgen solltest!

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Beschilderung in einem japanischen Bahnhof und die Station „Tachikawa“: immer auch noch in lateinischen Buchstaben ausgeschrieben.

Hinweis-Schilder an Bahnhöfen:

Gerade die JR-Bahnhöfe sind immer mehrsprachig, so erfolgt die Ausschilderung in den meisten Fällen auf Japanisch, Englisch und oft auch Chinesisch und Koreanisch. Ansonsten wird auch sehr viel mit Piktogrammen gearbeitet, die sehr hilfreich und an den Bahnhöfen immer identisch sind.

Die Haltestellen in Japan sind auch nicht nur in Schriftzeichen ausgeschrieben, sondern stehen auch immer in lateinischen Buchstaben darunter.

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Beschilderung einer Station in Tokyo, dann an einem Shinkansen Richtung Akita und ein rein japanischer Busfahrplan in einer ziemlich abgelegen Region. Hier hilft es zumindest die Kanji (Schriftzeichen) für den Zielort zu erkennen. 😀

Straßenschilder:

Selbiges gilt auch für die Schilder im Straßenverkehr: Neben den japanischen Schriftzeichen findet sich auf ihnen auch immer lateinische Buchstaben und so sollte es hier eigentlich keine Probleme geben, außer sich an den Linksverkehr zu gewöhnen.

Kibi Radtour Okayama Schild

Keine Angst vor Straßenschildern – die Ziele sind auch immer noch einmal in NICHT japanisch auf Straßenschildern.

Geld abheben:

Mit einer ausländischen Kreditkarte kannst du problemlos Geld abheben an den Automaten in den japanischen Postämtern oder der Seven Bank (in den Filialen der 24-Stunden-Kette 7/Eleven zu finden, aber immer öfter auch freistehend). Sobald du deine  Karte reingeschoben habt, kann man aus verschiedenen Sprachen auswählen und neben Englisch ist hier sogar Deutsch dabei.

Weitere Infos dazu findet ihr im Artikel: Geld abheben in Japan.

Im Hostel oder Hotel:

Gerade in Hotels und Hostel ist das Personal darauf eingestellt, dass ausländische Touristen einchecken und hier ist oft jemand im Team, der bei Anliegen auf Englisch weiterhelfen kann. Gerade in Hostel arbeiten oft junge Japaner nebenbei, die an internationalen Austausch interessiert sind.

Beim Essen gehen:

Hier wird es schon schwieriger. Die großen Ketten, die in ganz Japan zu finden sind, sind mittlerweile vorbereitet und es wird oft eine englischsprachige Karte gereicht, wenn die normale Karte nicht schon so aufbereitet ist, dass sie international verständlich ist, z.B. durch viele Bilder. Bei den kleinen Restaurants ist dies eher seltener der Fall, aber es wird kontinuierlich jedes Jahr besser. Beim Service können die meisten Bedienungen eher selten Englisch, aber mit dem Namen vom Gericht bzw. mit dem Draufzeigen auf Bildern und Finger hochhalten für die Anzahl, kann man sich gut behelfen. Überhaupt enthalten japanische Menü-Karten viel häufiger Bilder als ich es bei uns in Deutschland sehe.

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Zweisprachige Menü-Karten

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Englische Karte für Touristen

Wer bezahlen möchte, muss auch nicht die Bedienung auf sich aufmerksam machen, sondern geht einfach zur Kasse am Eingang und gibt dort den oft gereichten Beleg ab. Der Betrag wird dann zwar gesagt, aber auch (fast) immer an der elektronischen Kasse angezeigt.

Beim Einkaufen:

Beim Shoppen habe ich bisher eher seltener Mitarbeiter getroffen, die fließend Englisch sprechen. Allerdings ist mir über die Jahre auch aufgefallen, dass die „Tax Free“-Schilder und Counter mehr geworden sind und immer mehr englische Hinweis-Schilder dazukommen. Das ist nett und hilft etwas, ist aber alles andere als flächendeckend.

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Meistens rattern die Mitarbeiter an der Kasse sowieso ihre Standard-Sätze herunter und erst wenn du sie anschweigst, merken sie, dass du sie nicht verstehst. Dann packen sie deine Sachen in eine Tüte, kleben diese zu und kassieren dich ab. Läuft immer irgendwie. Nachdem ihr dies ein paar Mal mitgemacht habt, wisst ihr wie der Hase läuft.

Die Frage der Höflichkeit: mit ein bisschen Japanisch weiterkommen

Weiter oben habe ich erwähnt, dass man kein Japanisch können muss. ABER: es kommt total gut an bei Japanern und sie freuen sich immer sehr, wenn man ein paar einfache Wörter und Sätze sagen kann. Und im Zweifel hilft es tatsächlich dabei, schneller an sein Ziel zu kommen oder wahrgenommen zu werden, z.B. wenn man im Restaurant mit einem beherzten „Sumimasen“ (dt. „Entschuldigung“), die Bedienung auf sich aufmerksam macht. Es ist auf jeden Fall ratsam, sich ein paar „Hilfsmittel“für die Reise zu besorgen, um ein paar Wörter oder sogar Sätze für die Reise zu lernen.

Lange vor meiner ersten Japanreise hatte ich mir von Langenscheid ein kleines Reisewörterbuch Japanisch* besorgt, indem einfache und tatsächlich praktische Sätze für die typischen Touristen-Situationen enthalten sind. Aber minimalistisch wie ich mittlerweile bin, verzichte ich auf unnötiges Gepäck und habe lieber den Google Übersetzer als App auf meinem Smartphone.

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Diesen kann man zwar auch im Browser nutzen, aber als App („Google Übersetzer„) gibt es noch ein paar weitere Funktionen. So kann man sich auch ein Sprachpaket herunterladen, um auch offline die Übersetzungsfunktion nutzen. Die App kann z.B. deutsche Sätze in japanische Sätze übersetzen, gesprochene Sprache und geschriebenes japanisch auf Fotos erkennen und übersetzen oder man kann einzelne Schriftzeichenaufzeichnen und die App wirft Lesung und Übersetzung raus. Ein ziemlich rundes Paket, dass bei der Reise wertvolle Unterstützung leisten kann.

Japaner und Englisch: Warum ist das so ein Problem?

Bleibt am Ende nur eine Frage: Warum können Japaner eigentlich so schlecht Englisch bzw. trauen sich so selten es zu sprechen? Immerhin haben auch Japaner bis zum Schulabschluss einige Jahre Englisch-Unterricht hinter sich.

Es liegt wahrscheinlich zu einem Teil auch an der Art und Weise des Lernens in der Schule. Es wird sehr viel Wert auf das Lesen von Texten gelegt, sowie auf das Pauken von Vokabeln und Grammatik. Dies bedeutet, dass sich viele Japaner sicher in ihren (auswendig) gelernten Sätzen bewegen können. Wenn es aber darum geht, eigene Sätze aus dem eigenem Wortschatz zu bilden, scheitern sie. Das gelernte Wissen wird in der Praxis selten angewendet, da es dafür im Schul-Unterricht wenig Raum gibt. Selbst die ausgebildeten Englisch-Lehrer an Japans Schulen haben starke Defizite, wenn es darum geht, die Sprache, die sie unterrichten, wirklich anzuwenden.

Mit dieser Problematik haben sich auch schon viele Artikel befasst, auch mit mehr Hintergrundwissen als ich es habe. Wenn euch die Hintergründe interessieren, dann habe ich hier ein paar englische Artikel für euch:

Puh, das war jetzt länger, als ich eigentlich geplant hatte, da ich doch mehrere Themen angesprochen habe. Ich hoffe, ich konnte euch die Angst vor eurer Reise nehmen, denn niemand muss als Tourist in Japan japanisch reden. Ein paar Schriftzeichen, Worte und einfache Sätze helfen aber tatsächlich sehr und beschleunigen von A nach B zu gelangen. Auch die Reaktionen von Japanern selbst auf das kleinste Japanisch-Wissen ist immer äußerst positiv und ermutigt einen, immer mal wieder etwas sein eigenes Sprachwissen auszuprobieren. Fakt ist, dass Japan daran arbeitet seine Touristen offener zu empfangen und die Hürden in der Sprache verstärkt abgebaut werden, vor allem in Hinblick auf Olympia 2020. Und wenn ihr nur wegen der unbekannten Sprache nicht nach Japan reist, aber ansonsten alles passt: Lasst euch davon nicht abhalten! Lernt das Land kennen und vielleicht verliebt ihr euch so sehr wie wir. Und wer weiß, vielleicht begeistert es euch so sehr, dass ihr sogar die Sprache lernen möchtet. Abhalten würde ich euch davon jedenfalls nicht. 😉

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