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Fahrradtour zum Sēfā-Utaki auf Okinawa

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„Fahrradtour zum was?“, wird der geneigte Leser wahrscheinlich innerlich ausrufen. Wieder so ein japanisches Wort, das man nicht versteht? Was ein Utaki auf Okinawa ist und warum es sich lohnt, dorthin eine Fahrradtour zu machen, klären wir in diesem Beitrag.

Willkommen auf Okinawa-Hontō

Bekannterweise gibt es zwei Dinge, die wir besonders gerne tun: Fahrrad fahren und nach Okinawa reisen. Seit langer Zeit verspreche ich auch, dass wir aus unserem Okinawa-Artikel mal eine Serie machen, aber bisher hat sich die Gelegenheit nicht ergeben. Wer wissen möchte, was für eine Gegend die Präfektur Okinawa ist, kann sich den Artikel gerne noch einmal ansehen.

In diesem Artikel geht es um unsere Fahrradtour von Okinawa-Stadt zum Heiligtum und UNESCO Weltkulturerbe Sēfā-Utaki. Wie wir geplant haben, was wir erleben konnten und ob es sich gelohnt hat. Diesmal hat es uns auf die Hauptinsel Okinawa-hontō verschlagen. Für mich war es das zweite Mal hier, für Kumo hingegen waren alle Eindrücke neu. 

Okinawa-Hontō mit der Hauptstadt Naha hat die mit Abstand größte Bevölkerung der Okinawa-Inseln.

Fahrrad fahren auf Okinawa

Wenn ich bisher mit dem Rad irgendwie in der Präfektur unterwegs war, dann oft auf Inseln, die eher einem Pfannkuchen ähneln und außer Zuckerrohr, ein paar Flughunden und sporadischen Autos nicht viel Verkehr hatten. Die Hauptinsel ist anders. Zum einen gibt es nahezu keine Infrastruktur für Fahrräder. Das ist in ganz Japan nicht viel besser, aber hier fiel uns auf dass wir uns oftmals sehr bedrängt fühlten. Das Handzeichen nicht verstanden werden ist normal und sorgt für viel Belustigung. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass man sich besser nicht als Verkehrsteilnehmer sieht wenn man auf dem Rad sitzt. Linksabbiegen an einer Kreuzung in der Pampa wurde mit Hupen quittiert und im Allgemeinen erwartet man von Fahrradfahrern, dass sie sich auf den Fußwegen bewegen. Radfahrer bewegen sich hier anders und die Autofahrer erwarten dies. Ein wenig Vorsicht sollte man deswegen immer walten lassen.

Starker Verkehr auf der Straße. Blindenstreifen, Zäune, Strommasten und Poller auf dem schmalen Fußweg. Manchmal schiebt man da besser.

Ein Fahrrad leihen

Fahrradverleihe in Japan sind immer ein Glücksspiel. Von top Rädern in bestem Zustand bis zu rostigen Möhren ohne Gangschaltung haben wir alles schon bekommen, und zwar für ähnliche Preise. Wer in Sportläden leiht, hat oftmals auch gutes Gerät, kommt aber mitunter für einen Tagesausflug unter 50€ am Tag für ein Rad nicht weg. Nachdem die Räder unseres Hotels nur winzige Klappräder für die Stadt waren, haben wir uns einen Radverleih in Naha herausgesucht. Die NPO Shimazukuri betreibt einen kleinen Laden nicht weit vom Stadtzentrum. Die Räder waren zwar einfach aber in Ordnung und der Service gut, allerdings ausschließlich auf Japanisch. Gezahlt haben wir pro Rad etwa 2000 Yen. Wir mussten uns allerdings mit den Restposten begnügen, denn wir hatten nicht reserviert. Die Verleihzeit geht von 9:00 – 18:00 Uhr, Ausleihen über Nacht kosten extra. 

Die Fahrräder die wir von der NPO Shimazukuri geliehen haben.

Achtung: Beleuchtung und sonstige Sicherheitsausrüstung gehört in Japan nicht immer zur Ausstattung. Wie auch anderswo haben wir hier nur eine kleine LED-Lampe als Frontlicht bekommen. Rücklichter sind generell unüblich. Bei Fahrten in den Abend hinein also unbedingt darauf achten und im Zweifel selber mitbringen. Landstraßen in Japan können sehr dunkel werden!

Die Tour

Endpunkt unserer Tour sollte Sēfā-Utaki sein, ein Heiligtum umgeben von Natur. Wir wollten aber auch an der Küste entlangfahren und entschieden uns deshalb für eine Tour über Itoman, das Himeyuri-Memorial, den Peace Memorial Park und Sēfā-Utaki. Auf dem Rückweg sind wir über Yonabaru und Haebaru zurück nach Naha gefahren. Das war zwar deutlich kürzer, aber auch weitaus nerviger, da ein großer Teil der Strecke durch urbanes Gebiet und viel befahrene Straßen geht. 

Los gehts in Naha, ein letzter Zwischenstopp an der AEON Mall für Vorräte!

Insgesamt betrug die Streckenlänge knapp 64 Kilometer. Insgesamt waren wir mit allen Pausen und Zwischenstationen etwa 7 Stunden unterwegs. 

Erster Abschnitt: Raus aus Naha

Nachdem wir die Fahrräder abgeholt hatten ging es direkt los. Wir verließen Naha in Richtung Itoman und bewegten uns hauptsächlich entlang großer Verkehrsachsen und Hafengebieten. Relativ schnell ist man an der Küste und von einigen Brücken hat man eine gute Aussicht auf Naha in der Ferne und Itoman vor sich. Von dort aus geht es etwas landeinwärts bis zur ersten Zwischenstation, die wir spontan gefunden haben.

Ein Wohngebiet bei Itoman.

Zwischenstopp: Himeyuri Mahnmal

Das Himeyuri Memorial ist eines der vielen Zeugnisse des 2. Weltkrieges, die man auf Okinawa besuchen kann. Die Inselkette im Süden und vor allem die Hauptinsel waren die einzigen Teile des heutigen Japans, die nicht nur von Bombenangriffen aus der Luft zerstört wurden sondern auch mit einer groß angelegten Bodenoffensive von April bis Juni 1945 eingenommen wurde. Der „Taifun aus Stahl“ forderte 200.000 Todesopfer, die Hälfte davon Zivilisten, und man sagt, der hohe Verlust an Menschenleben und die Hartnäckigkeit der japanischen Verteidiger waren ein Grund dafür, weshalb später die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Es galt den Krieg schnell zu beenden. Unter Historikern sind diese Thesen aber bis heute umstritten, vor allem wenn es um die Legitimation von Atombombenabwürfen geht.

Gedenkstätten auf Okinawa haben die Tendenz, den Patriotismus etwas zurückzufahren und auf die Sinnlosigkeit des Krieges und die menschlichen Tragödien hinzuweisen. Offen werden historische Zusammenhänge hinterfragt und ein differenziertes Bild gezeichnet, bei dem es keine „bösen Angreifer“ und „guten Verteidiger“ gibt. Wo blinder Gehorsam und erzwungener oder freiwilliger kollektiver Selbstmord kritisch hinterfragt werden. Zudem thematisieren viele Orte das ambivalente Verhältnis zu den USA, denn anders als der Rest Japans befand sich Okinawa bis 1972 unter US-amerikanischer Besatzung. Bis heute trägt die Prefäktur die Hauptlast an US-Militärbasen in Japan, die sich heute teilweise mitten in urbanen Gebiet befinden und wo es immer wieder zu Zwischenfällen, vor allem mit den Osprey-Helikoptern kommt.

Ein Mahnmal im Garten des Museums.

Das Mahnmal selber ist 222 Schülerinnen und ihren LehrerInnen gewidmet, die dort während des Krieges in Höhlen ein Lazarett unterhielten und von denen ein Großteil während ihrer Arbeit oder kurz danach ums Leben gekommen ist. Viele Infotafeln sind auch auf Englisch verfügbar und obwohl wir dort nur zufällig vorbeigekommen sind, können wir einen Besuch dort empfehlen. Man lernt viel über das Leben während des Krieges, historische Begebenheiten und das Leid der Bevölkerung. Spaß macht es nicht, aber lehrreich ist es allemal.

Der Eingang zum Himeyuri-Friedensmuseum.
Eine der Höhleneingänge in denen die Schülerinnen ein Lazarett betrieben haben.

Zweiter Abschnitt: Itoman bis zum Ziel

Der folgende Streckenabschnitt war recht angenehm und verlief in einiger Entfernung parallel zur Küste weiter der Staatsstraße 331 folgend. Sie war moderat befahren und wir haben uns meist auf dem vorhandene Gehweg aufgehalten. Hier gibt es aber einen Nachteil: ohne Federung spürt man jede Einfahrt, die zu einem unschönen Bordstein führt, gleich doppelt und dreifach. Wer flink unterwegs ist und sich sicher fühlt, kann hier aber direkt auf die Straße ausweichen.

Es gibt keine hohen Berge auf dem Weg, aber die Küstenstraße verläuft in einem kontinuierlichem Auf und Ab, was uns ein wenig an die Kondition ging. Die Strecke ist auch für ungeübte Radfahrer machbar, forderte uns aber moderat. Hin und wieder mussten wir auch kurz schieben. Das Schöne an der Strecke ist, dass die kleinen Berge im Hintergrund und die Küste auf der anderen Seite immer sichtbar war und einige schöne Aussichten bot. Bis zum Ziel ging es nun vorbei an grünen Wäldern und blauen Küsten, meist in einiger Höhe, was zu schönen Aussichten führte.

Brücke hoch, Brücke runter!
Die Belohnung: Panorama-Aussichten!

Zwischenstopp: Peace Memorial Park

Ein weiteres Zeugnis des Krieges. Man findet hier die Namen aller Gefallenen Soldaten (aller Nationalitäten, Feind wie Freund), verschiedene Gedenkstätten und vor allem viel Platz. Der Park lädt zum flanieren und nachdenken ein. Hier wollten wir tatsächlich von Anfang an hin, waren dann aber überrascht von der Weitläufigkeit des Gebietes und musste wegen der Fortschreitenden Zeit nach kurzem Aufenthalt wieder fahren.

Der Park ist extrem weitläufig. Gut, dass wir Räder hatten!

Zwischenstopp: Essen fassen!

Essen ist für uns fast so wichtig wie das Reisen selbst. Deshalb bemühen wir auch immer Google, Tabelog oder andere Dienste, um zu schauen wo man gut speisen kann. Diesmal wurden wir enttäuscht, denn das Restaurant, das wir herausgesucht haben, war geschlossen.

Wir fuhren also auf gut Glück zum nächsten Ort und wurden nicht enttäuscht: das Café „Mori Terrace“ liegt direkt am Hang und man hat eine wunderbare Aussicht auf die Küste und einen weitläufigen Garten mit Schildkröte zum Bestaunen. Das Essen war in Ordnung, auch wenn wir eigentlich wenig Lust auf Pasta hatten. Lecker war sie trotzdem!

Eine wunderbare Terassa.
Und das ist die Aussicht!

Endlich am Ziel: Sēfā-Utaki

Noch ein bisschen bergab und bergauf in immer schöner werdende Landschaft und wir waren am Ziel. 43 Kilometer auf dem Tacho und unsicher, ob wir es noch rechtzeitig zurück schaffen. Sēfā-Utaki ist eine Touristenattraktion, Weltkulturerbe sogar, und jeder, der bei Verstand ist, fährt dort mit dem Auto hin. Dementsprechend viel los war dort auch. Ein großer Parkplatz, eine Raststätte und ein Weg gesäumt mit kleinen Läden hat uns aber trotzdem gefallen, denn endlich gab es Kakigōri („shaved ice“) und ein paar Snacks. 

Der Weg zum Heiligtum ist gesäumt mit kleinen Läden.

Was ist jetzt dieses Utaki? Vereinfacht gesagt, eine heilige Städte der ursprünglichen Religion der Ryūkyū-Inseln, so hieß dieses eigenständige Königreich vor der endgültigen Annexion durch Japan 1872. Verbunden mit Naturglauben und früher ausschließlich Priesterinnen zugänglich ist es dem Shintō nicht ganz unähnlich, aber doch ganz anders. Zudem wurden viele Utaki in Shintō -Schreine umgewandelt oder erfüllten beide Funktionen. Sēfā ist einfach der Name des Ortes (in etwa: „reiner Ort“). Wer mehr über diese Religion wissen möchte, den muss ich an die Fachliteratur verweisen, wir haben nur das mitgenommen was wir während unserer Tour dort aufschnappen konnte. 

Natur und Religion hängen in Japan eng zusammen und das ist auch der Punkt, den wir am einfachsten genießen können, ohne uns groß zu informieren. Und Sēfā-Utaki ist spektakulär. Ein subtropischer Wald, blaues Meer im Hintergrund und imposante Felsformationen lassen erahnen, wieso man diesen Ort seit Jahrhunderten für heilig hält. Im Folgenden lassen wir aber lieber die Bilder sprechen!

Rückfahrt nach Naha

Nachdem wir uns Zeit gelassen haben und alles in Ruhe angeschaut hatten, bemerkten wir, dass die Zeit so langsam pressierte. Schließlich mussten wir die Räder bis 18:00 Uhr abgegeben haben. Planmäßig haben wir also den kürzesten Rückweg nach Naha gewählt, der kurz an der Küste entlang und dann durch Yonabaru hauptsächlich durch urbanes Gebiet führt. Der Verkehr wurde hier stellenweise sehr dicht, die Straßen vielbefahren und die Fußwege eng und – wer hätte es gedacht – voller Fußgänger.Wenn die Zeit da ist würde ich diesen Weg nicht empfehlen. Es war machbar, aber eben nicht schön. 

Auf dem Rückweg nach Naha gab es vor allem volle Straßen – und dieses Pachinko-Zirkuszelt.

Als wir kurz vor knapp wieder in Naha ankamen, waren wir dennoch zufrieden: die Räder war abgegeben und wir hatten insgesamt eine tolle Tour mit viel Natur und lehrreichen Mahnmalen hinter uns gebracht und für Radbegeisterte Japanreisende würde ich die Tour jederzeit empfehlen. 

Wie sieht es bei euch aus? Wart ihr schon einmal auf Okinawa, habt sogar das Sēfā-Utaki besucht? Würdet ihr so eine Fahrradtour auch machen wollen oder fahrt ihr generell gerne Rad in Japan? Teilt uns gerne eure Erfahrungen in den Kommentaren mit!

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