Home JapanAnime Pilgrimage Chichibu: eine Pilgerreise zum Schauplatz von „AnoHana“

Chichibu: eine Pilgerreise zum Schauplatz von „AnoHana“

7 Kommentare

Es gibt wenige Anime, die ich ausnahmslos jeden empfehlen würde, aber „Ano hi mita hana no namae o bokutachi wa mada shiranai“ ist eine dieser Serien, die ich immer und immer wieder jedem ans Herz lege. Keine Sorge, weil der Titel so lang ist, nennen auch Fans die Serie einfach nur kurz „AnoHana“.

In AnoHana wird erzählt, wie die Freundschaft von sechs Kindern auf dem Weg ins Teenager-Alter zerbricht, als ein Mädchen bei einem Unfall verstirbt. Niemand hat den Tod der Freundin verarbeitet und sucht die Schuld für das Unglück bei sich – und geht seinen eigenen Weg. Doch eines Tages erscheint der Geist des Mädchens Menmas bei Jintan, der früher der Anführer der Kindergruppe war. Warum sie da ist, weiß sie nicht, ist sich aber sicher, dass sie wegen einem Wunsch da ist, der erfüllt werden muss – und dafür müssen die Freunde von damals zusammenarbeiten.

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AnoHana ist eine wunderbare Coming-of-Age Story, die in einem emotionalen Finale endet. Ich hab die Serie mittlerweile ziemlich oft geschaut (was für mich ziemlich selten ist!) und trotzdem triggert mich das Finale immer noch so sehr, dass ich einige Taschentücher bereithalten muss. Ihr merkt, ich bin großer Fan der Serie, deswegen war schon länger der Wunsch da, den realen Schauplatz der zu besuchen. Dieser liegt natürlich in Japan, in der Präfektur Saitama und heißt Chichibu. Eine Kleinstadt, nur 1,5 Stunden von Ikebukuro / Tokyo. Und im letzten Japan-Urlaub, März 2016, sind wir hingefahren.

Übrigens hat Chichibu auch abseits von Anime einiges zur bieten: In der Gegend rund um Chichibu kann man sehr gut wandern und bergsteigen, deswegen sind hier auch immer einige Touristen unterwegs – klar, ein wunderbares Naherholungsgebiet, wenn man aus Tokyo kommt. Im Frühling lockt Chichibu mit dem Blütenmeer der Shibazakura , im Oktober mit dem Yoshida Ryusei Bamboo Rocket Festival und im Winter mit beleuchteten Eis-Formationen.

Chichibu erreicht ihr relativ einfach mit dem Zug aus Tokyo. Direkt am Bahnhof (in unserem Fall Seibu-Chichibu; Chichibu wird von 2 Linien bedient – Tobu aus Ikebukuro und Chichibu Railway von Kumagaya) aus erwarten euch die ersten Hinweise auf AnoHana und auch den Anime-Kinofilm „The Anthem of the Heart“ (auch: Kokosake), der ebenfalls in Chichibu spielt und vom selben Team, wie AnoHana gemacht wurde.

Am Bahnhof Seibu-Chichibu hängen Poster von AnoHana und Kokosake
Seibu-Chichibu Bahnhof. Auf der linken Seite kommt ihr zum Touristen Center
Der Bahnhof im Anime. © A1-Pictures.
Wasser in AnoHana Flaschen: Sofort gekauft.

Für den Anfang empfehlen wir euch, direkt am Bahnhof Seibu-Chichibu zum Touristen Center zu gehen. Dort könnt ihr euch für ca. 10 Euro am Tag Fahrräder leihen, für etwas mehr sogar E-Bikes. Glaubt mir, ihr wollt Fahrräder – die Schauplätze von AnoHana sind teilweise ziemlich weit entfernt und gerade wenn ihr zu DER Brücke wollt, ist das als Laufweg ziemlich lästig. Wir haben uns für E-Bikes entschieden (macht halt schon Spaß!).  Das Touristen-Center präsentierte einiges aus AnoHana und KokoSake:

Ganz wichtig: im Tourismus Center haben sie ein kleines Heftlein, wo alle (!) Schausplätze von AnoHana auf einer Karte dargestellt sind. Fragt einfach an der Theke nach der „Ano Hana Map“ – dann wird man euch diese geben. Die Hefte liegen nämlich nicht aus und werden nur auf Nachfrage an Touristen verteilt. Produziert wurden diese Hefte zum Kinofilm – ob sie nachproduziert werden, wenn sie aus sind? Ich glaube nicht, deswegen werde ich die Karten einscannen und hier zur Verfügung stellen (scrollt nach unten). Das Heft nennt sich „Menma no onegai sagashi“ – „Auf der Suche nach Menmas Wunsch“ und wir haben im Laufe des Tages sehr, sehr viele Japaner damit durch Chichibu laufen sehen. (Ja, laufen – wir gehörten zu den wenigen Schlauen mit einem Radl!)

Die Fahrräder waren sehr gut gepeflegt, dass Fahren damit hat sehr viel Spaß gemacht. Als erstes Ziel suchten wir uns den Hitsujiyama Park aus, eine „kleine“ Erhöhung mit super Aussicht über Chichibu. Und ein sehr bekanntes Bild aus dem Anime…

Da wir im März da waren, ist es natürlich nicht ganz so schön grün, wie auf den Anime Bildern. Aber man erkennt es trotzdem wieder. Wir waren ja schon froh, dass der angekündigte Regen nicht gekommen ist und wir strahlend blaue Himmel hatten.

Als nächstes schnappten wir uns die Karte und überlegten uns eine Route entlang der Straße. In Chichibu ist der Autoverkehr sehr hoch, also immer vorsichtig sein – extra Radwege gibt es nämlich hier nicht!

Ein Hinweis zum Feuerwerk.
Verrückt wenn man denkt „Hier ist Menma langgelaufen!“ und dabei war es nur animiert.
Was geht?! Ein Bus mit AnoHana Motiven? Sofort hinterher für ein Foto.

Am Spielzeugladen haben wir unsere Räder abgestellt und sind links in diese Straße reingelaufen. Viel erwartet haben wir in diese Richtung  nicht, vielleicht einen Combini, um etwas zu essen zu kaufen. Doch in einem dunklen, braunen Haus sah ich etwas, was ich unbedingt in Chichibu kaufen wollte: das Milchglas aus dem Opening!

Also rein … und wir landeten nicht nur in einem kleinen Shop mit AnoHana Merchandise und Gemischtwaren (draußen wurde gerade Gemüse eingeräumt), sondern in einer Art Kulturzentrum für AnoHana-Fans: Hot Spot Chichibu-kan. Neben dem Shop-Bereich gibt es noch einen großen Aufenthaltsraum und man kann sich dort Getränke bestellen. (Kaffee war bei uns aus, weil … keine Milch. Ein wirklich häufiges Problem in Japan…). An den Wänden gibt es Vitrinen mit allen Merchandise-Produkten, die es zu AnoHana gibt, Erinnerungen von Events und zahlreiche Autogramme von Menschen, die irgendwas mit der Produktion von AnoHana zu tun haben. Eine bunte Sammlung die jeden Fan begeistert.

Nach einer kleinen Pause dort und einer lustigen Anekdote mit den Inhabern, machten wir uns auf den Weg, zur „AnoHana Brücke“ zu fahren. Mit dem Fahrrad war die Strecker überschaubar. Wenn ich es hätte laufen müssen, wäre es wohl nicht so easy gewesen – es ist schon nicht mehr wirklich im Stadtzentrum, daher waren die Räder wirklich eine gute Entscheidung. Die nächste Bahn-Station ist „Onohara“, von dort müsst ihr aber auch ein wenig laufen.

Nachdem wir genug Fotos an der Brücke gemacht haben, setzten wir uns wieder auf unsere Räder und checkten die Route zu unserem nächsten Ziel aus: dem Jourinji Tempel. Dieser kleine Tempel in Chichibu ist immer mal wieder im Anime zu sehen, die Kinder spielen dort verstecken und auch später als Teenager treffen sie sich immer wieder dort. Der Tempel ist wirklich sehr klein, nicht einmal eine richtige Straße führt hin – wir sind auch einmal im Kreis gefahren, weil wir den Weg einfach übersehen haben. Auf dem Weg dorthin, fuhren wir noch an Jintans Schule vorbei und hielten bei einem kleinen Park, dort in der Nähe, der ebenfalls im Anime vorkommt.

Die Ema-Holztafeln kann man in japanischen Shinto-Schreinen und in buddhistischen Tempeln kaufen. Auf der Vorderseite sind bunte Bilder, meist erinnern sie an die Gottheit, die in diesem Tempel oder Schrein angebetet wird. Auf der Rückseite schreibt man seinen Wunsch und hängt die Holztafel dann auf. Mitnehmen ist nicht, damit die Gottheit den Wunsch erfüllen kann, muss die Tafel hängen bleiben. Für fast jede Lebenslage gibt es Göttter, bei denen man sich das Bestehen der wichtigen Prüfung, endlich eine/n Partner/Partnerin finden und noch viel mehr wünschen kann.

Ja, wir haben eine Tafel gekauft, auf der Menma drauf war und ich habe einen Wunsch drauf geschrieben. Micha hat ihn sicherheitshalber noch einmal auf Japanisch dazu geschrieben. (Wer weiß, ob die japanischen Götter Deutsch können …?) Drückt die Daumen, dass er in Erfüllung geht:

Unser Wunsch. Inklusive charmantem Flüchtigkeitsfehler, bezeichnet 演奏 doch eher musikalische Darbietungen als eine Inszenierung als Theaterstück 演出….

Für alle, die es noch nicht wissen: Ich bin in einer Showgruppe, die auf Anime/Manga/Japan-Veranstaltung in ganz Deutschland auftritt. Wir heißen „Tsuki no Senshi“ und arbeiten aktuell an den letzten Feinheiten für unsere Premiere zu AnoHana. In einer Stunde erzählen wir euch die Geschichte von den Super Peace Busters auf ganz neue Art und Weise. Ich bin echt gespannt, wie es beim Publikum ankommen wird!

Ein Blick auf die Uhr sagte, dass wir unsere Räder bald abgeben müssen  – sonst müssen wir nämlich nachzahlen. Also ging es wieder zurück zum Seibu Chichibu Bahnhof. Von dort sind wir aber noch durch eine kleine Einkaufsstraße zum Chichibu Schrein gelaufen, der auch kurz im AnoHana Anime vorkommt.

Die letzte Zeit bis unser Zug fuhr, verbrachten wir mit bei Sukiya (juchu, Gyudon) und Nachtisch gab es bei Mister Donut (100 Yen Sale – yes!), die wir beim Radeln entdeckten.

Der Ausflug nach Chichibu war wunderbar – gerade als Fan der Serie AnoHana erkennt man einfach an jeder Ecke Dinge wieder, die man zuvor in animierter Form gesehen hat. Zum Feuerwerk-Turm sind wir nicht gefahren, weil der etwas weiter außerhalb ist, aber da ich noch einmal wiederkommen möchte, wird das sicher noch nachgeholt.

Falls ihr jetzt neugierig geworden seid: AnoHana ist dieses Jahr auch auf Deutsch erschienen. Peppermint Anime hat die elf Episoden des Anime auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Der Kinofilm ist ebenfalls bei Peppermint Anime erschienen und ist als Epilog der Handlung zu sehen.
AnoHana Volume 1 * AnoHana Volume 2 AnoHana – The Movie

Karte von Chichibu mit allen Orten aus AnoHana

Für die volle Auflösung einfach auf die Bilder klicken.

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7 Kommentare

nossy 5. Juli 2016 - 7:26

Ich finde diese Vergleiche Anime – Realität total interessant und bin erstaunt wie nah sich an der Realität gehalten wird. o.o

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Kumo 5. Juli 2016 - 17:12

Ich hab das Gefühl, dass dieses Nah-an-der-Realtität in den letzten Jahren in der Animations-Branche in Japan zugenommen hat. Fans haben sich ich in mühevoller Kleinarbeit die realen Schauplätze rausgesucht – die oft räumlich sehr weit getrennt lagen.Die Fans haben es trotzdem rausgefunden und die Orte besucht. Und vielleicht haben die Städte und Präfekturen eine neue Einnahmequelle damit gefunden, die weiter ausgebaut wird? Wer weiß, „Anime Pilgerfahrten“ sind echt im Trend 🙂

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nossy 7. Juli 2016 - 12:30

Das kann ich mir sehr gut vorstellen, was neues für die Touristenbranche – und gleichzeitig echt cool. Wäre auch was für den deutschsprachigen Raum; eine Nacht in Heidis Hütte auf der Alm verbringen, am Brunnen vom Froschkönig chillen oder in Rapunzels Turm die Aussicht geniessen XD

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Kolonialwaren 5. Juli 2016 - 16:24

In meiner Teenager-Zeit war ich extrem (Japan)Manga/Anime-Verliebt.
Ich glaube, dass muss ich wiederbeleben das Ganze wenn ich diese Bilder sehe.

Liebe Grüße
Ann – kolonialwarenladen.blogspot.de

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Kumo 5. Juli 2016 - 17:14

Es gibt tatsächlich einige sehr schöne Anime, die ein älteres Publikum ansprechen. Schau dich doch einfach mal um – abseits der Klischees gibt es echt wunderbare kurzweilige Serien mit einem hohen Animations-Standard, da hat sich in den letzten Jahren echt sehr viel getan! AnoHana kann ich jedenfalls zum „Wieder-Einstieg“ nur empfehlen! 🙂

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Dommie 6. Juli 2016 - 2:59

Wollte ich Anfangs auch mal machen.
Vor Allem die Shenmue Schauplaetze und das Haus von Ju-On, aber irgendwie wurde es immer wieder verschoben.
Sind tolle Fotos.

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Akari 7. Juli 2016 - 13:07

All die AnoHana-Liebe! Ich freue mich ungemein auf euer Stück♥

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